Der Doppelabend in Frankfurt ist ein Debüt: Die Schauspielerin Susanne Wolff führt hier zum ersten Mal Regie. Wolff, die im Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin engagiert ist, die für ihre Darstellung in dem Film „Mobbing“ 2013 den „Deutschen Fernsehpreis“ als beste Darstellerin erhielt, hat dafür mit jungen Schauspielstudenten von der ortsansässigen Hochschule für Darstellende Kunst und Musik gearbeitet. Von der Energie, von der Spielwut ihrer Darsteller lebt die Inszenierung. Es wird geflucht und geschrien, die Aggressionen haben etwas Bedrohliches, können einen gar nicht kalt lassen. Es ist ein ungewöhnlicher Abend, eine vor Kraft strotzende Inszenierung.
Nach dem Auftakt im Nebenraum wird Fassbinders Stück auf einer schmalen Bühne erzählt. Den bayerischen Dialekt (Fassbinder war von Marieluise Fleißer inspiriert, deren Stücke er ebenfalls am Action-Theater zur Aufführung brachte) beherrschen die Darsteller gut, Tim Werths gibt den Griechen Jorgos beeindruckend lakonisch. Und man ist erstaunt, wie aktuell der Stoff aus dem Jahr 1968 heute wieder ist. Die Angst vor dem Fremden, die Aggressionen gegen die Migranten, der destruktive Furor der „besorgten Bürger“: All das schilderte Fassbinder eindringlich, ohne dabei ein kitschiges Gegenbild vom guten, fehlerlosen Ausländer zeichnen zu müssen.
In ihrer Inszenierung findet Susanne Wolff starke Bilder für den Hass, der in der Mitte der Gesellschaft ausbricht, für die Gewalt, für die Vorurteile und das Misstrauen. Ein Baseballschläger tanzt an zwei Metallketten über dem am Boden liegenden Jorgos. Mit üblen Worten beschimpfen die Darsteller ihre eigenen Porträtbilder, die links und rechts an den Bühnenwänden hängen. Paula König schreit eine Textpassage aus Allen Ginsbergs Langgedicht „Howl“ heraus, genauso wie es die Punk-Ikone Patti Smith zuvor auf Konzertbühnen getan hat. Das hat eine Wucht und eine Direktheit, die einen als Zuschauer förmlich angreift. Vielversprechender kann ein Regiedebüt kaum sein.
