"Sand", ein Tanztheaterprojekt von Sebastian Nübling und Ives Thuwis.
Tanz,

Sandkastenspiele

Sebastian Nübling/Ives Thuwis: Sand

Theater:Schauspielhaus Zürich, Premiere:10.12.2011 (UA)

14 junge Leute, wie Hühner sitzen sie auf einer aus Sand geformten Bank. Sand ist überall in der Box im Schiffbau (40 Tonnen sollen es sein) und auch die vordersten Zuschauerreihen dürften einiges davon abgekommen. Kaum eine Assoziation aber liegt ferner als „am Strand“, wie das Stück bis kurz vor der Premiere hieß. Es geht soviel man sieht, um jugendliche Befindlichkeit. Die 14 sind drei Schauspieler aus dem Ensemble des Schauspielhauses, Laien des jungen theaters basel und die Band „James Legeres“, geformt zu einem Ensemble. Jörg Bluthardt übernimmt die Rolle des Querschlägers, Sean Donagh steuert oft die Ensembles, aber sonst sind die Gruppen kaum zu unterscheiden. Nach den knapp achtzig Minuten sehen sowieso alle gleich aus: Paniert, denn außer zum Graben und Bauen eignet sich Sand hervorragend, um sich drin zu wälzen, den Kopf reinzustecken oder sich damit zu bewerfen.

Das geschieht ausgiebig. Es fällt kaum ein Wort, abgesehen von zwei Halbsätzen im ersten, ein paar vollständigen und einigen angesungenen Songs im zweiten Teil. Dafür wird marschiert, gerannt und gekämpft. Sehr genau ist austariert, dass jede und jeder zum Zug kommt: Ein Reigen kleiner Geschichten, oft geronnen in einzelnen Gesten, Blicken oder Gängen. Man ahnt oft mehr, als dass es erkennbar würde. Refrainartig verbinden choreografische Schlaufen die verschiedenen Abschnitte, beeindruckend exakt, sichtbar dem Untergrund abgetrotzt. Mit dem Sound der vier „James Legeres“-Musiker (als Darsteller waren sie schon immer dabei) kommen nach einer guten halben Stunde eine Grundierung in Moll und tänzerisch übernehmbare Rhythmen dazu. Tanzschritte ergänzen die Box- und Kampfsportgesten. Doch so kraftvoll und unterhaltsam das immer wieder ist (durch die hallende Verstärkung der Keuch- und Renngeräusche noch verstärkt), entstehen doch keine größeren Einheiten.

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Nach einer knappen halben Stunde begannen im Publikum der zweiten Vorstellung auf mehreren Smartphones in der Reihe vor dem Schreibenden die Suchen nach Zeitungsbesprechungen, nach Orientierung. Man vermutet mehr als angerissene Jugendthemen wie erste Liebe, den Wunsch nach großen Brüsten (hier natürlich aus Sand) oder Gruppenexklusion. Aber man findet’s nicht. Es bleiben Sandkastenspiele – „sändele“ wie man auf Schweizdeutsch sagt. Vielleicht helfen auch nur Sandkastenspiele. Wozu oder wobei, davon müsste man aber dann doch auch auf der Bühne eine Idee bekommen und nicht nur durch die Stückankündigung, die von gemeinsamem Aufbruch und postideologischem Zeitalter spricht.