Der Text ist schnell und hart, Kittstein sucht eine Mischung aus vulgärer Grobheit und poetischer Überhöhung. „Der weiße Wolf“ ist ja nicht nur Disco und Zeitschrift – so einer steht eines Nachts auch plötzlich vor Toschs Auto; und löst sich in Luft auf. Eine Vision – am Stück-Ende aber tapst ein richtiges Tier über die Bühne. Der Text benennt mediale Ikonen der Fremdheit: Plakate an der Wand und Bilder aus dem Fernsehen, die markieren, wie gründlich das Land diesen drei Zurückgebliebenen abhanden gekommen ist. Warum aber dieses Fremdheitsgefühl umschlägt in Mord und Totschlag, bleibt ein Rätsel – Kittstein bringt sonderbare Erlösungsphantasien ins Spiel; etwa die vom „Osten“, wo sich das Paradies finden werde, eines Tages, wenn alles Fremde ausgerottet ist.
Das Programmheft bemüht gar den deutschen Nibelungen-Komplex und das Sterben in Stalingrad. „Der weiße Wolf“ ist aber kein deutsches Panorama, sondern ein grobes kleines Kammerspiel, unter immensem spielerischen Hoch- und Überdrück bewältigt von Ines Schiller, Sascha Nathan und Torben Kessler in Christoph Mehlers kraftvoll-konzentrierter Inszenierung. Kittstein erzählt von einer Lebens- und Gedankenwelt, die teils zugänglich, teils unbegreiflich ist. Terror kann und will der Autor nicht erklären.
Im Angesicht der realen Opfer aber, und der mutmaßlichen Mittäterin vor Gericht in München, ist ein Sandkastenspiel wie dieses viel zu wenig.
