Im Gegensatz zu seinen sonst abstrakten Choreografien wirkt „7“ phasenweise wie ein Handlungsballett. Verspielte Momente sind dabei, etwa, wenn die drei virtuosen Tänzer, Mariana Dias, Martin Chaix und Marcos Menha, ihre Körper wie zum Flug zusammenfügen, mit ausgebreiteten Armen auf den Rücken liegen oder wie Kinder im Kreis tanzen. Trennen müssen sie sich dennoch: den Mantel über den Kopf gezogen, als würde sie zum Henker geführt, soll die Frau fortziehen; bloß nicht zurückblicken – ein starkes Bild.
Doch es gibt auch Konflikte in den vielen Paarbeziehungen, die im fliegenden Wechsel zur dramatischen Nachtmusik auf die Bühne kommen. Wenn Ausnahmetänzerin Marlúcia do Amaral ihrem Partner Bogdan Nicula die Fäuste entgegenreckt und er ihr dafür in einem ausdrucksstarken Pas de deux die langen Haare zum Strick dreht, bis sie sich fügt, wird erotisch aufgeladene Gewalt spürbar. Louisa Rachedis Solo beschreibt dagegen einen Schockzustand, wenn sie nach filigranem, federleichtem Tanz mit drei Männern konfrontiert wird, die sie schütteln, bis die Frau zusammengesunken und klein am Boden liegt.
Passend zu Gustav Mahlers Komposition, die gegen Ende lieblicher wird, wandelt sich die Stimmung auch choreografisch. Martin Schläpfer inszeniert Heimat in Momenten voll Herzlichkeit und Harmonie, wie ein kurzes Aufatmen in einem Idyll, bevor am Ende alles in sich zusammenstürzt. In beeindruckenden, großen Ensembleszenen drehen Tänzer Pirouetten wie Geschosse, dann treten sie eine Art „Reise nach Jerusalem“ an. Im furiosen Finale läuft die Compagnie im Kreis um einen kleinen Tisch herum. Wer in dieser Gesellschaft keinen Platz findet, wird zum Wanderer auf ewig.
