Zimmermanns Kammeroper, 1986 an der opera stabile der Hamburger Staatsoper uraufgeführt, ist wie gemacht für eine solche Phantasmagorie des Todes. Sie konzentriert sich ja tatsächlich auf die letzten Stunden des Paares bis zur Hinrichtung und ist weniger Erzählung als irrlichternde Innenschau – gleichsam ein doppelter stream of consciousness zweier Todgeweihter voller unvermittelter Umschwünge, bildreicher Assoziationen und geschmeidiger „Überblendungen“. Diese Musik hat schon per se etwas Filmisches und wurde vom Team durch einige Eingriffe vollends zum Soundtrack der Bilderflut adaptiert. Aber genau das ist die Stärke dieser Produktion. Diese Bildklangwelt ist ständig unter Spannung und geht wirklich unter die Haut; und sie korrespondiert perfekt mit dem ekletizistischen Psychologismus von Zimmermanns Musik. Auch die 15 Instrumentalisten sowie die Sopranistin Marie-Dominique Ryckmanns als Sophie und der Bariton Michael Fischer als Hans Scholl singen und musizieren vorzüglich. Man erlebt ein faszinierendes Video-Musik-Kunstwerk, das seiner Werk-Vorlage jenseits der Werktreue auf überraschend eigenwillige Weise gerecht wird.
Zu sehen noch bis zum 6. August in der Arte Mediathek und auf der Homepage der Staatsoper Hamburg
