Höhepunkte sind ein von verstörenden Zurufen aus dem Bühnen-Hintergrund begleiteter Tanz dreier Mädchen, der wie ein altmeisterliches, in Bewegungs-Malerei aufgelöstes Bild der „Drei Grazien“ anmutet. Und natürlich die „Flamenco“-Einlage: Unter Anfeuerungsrufen treten immer wieder aus der im Halbkreis aufgestellten Compagnie Einzeltänzer hervor, mutieren – von andalusischen Tanzrhythmen beflügelt – zu Torero und Toro, in eine glühende Carmen und ihre eifersüchtigen Liebhaber. Es gibt auch gliederndes Innehalten aller Akteure, dann erhellt das Licht auch den Zuschauerraum. Einmal stellen sich dabei die Protagonisten entlang der Rampe auf, winken und gestikulieren zu den Theaterbesuchern, sprechen einzelne direkt an. Doch der Kommunikationsversuch gelingt, jedenfalls in der Premieren-Vorstellung, kaum.
Die Tänzer und Tänzerinnen präsentieren sich in funktional einfachen, in Blaugrau- oder Oliv-Farbtönen gehaltenen Kostümen. Getanzt wird zu der von Hinz und Lejeune gemeinsam produzierten Musik amerikanisch modern auf flachen Sohlen. Skurrile Verrenkungen der Gliedmaßen gehören dazu, wilde Drehwirbel und Flatter-Orgien, rasante , sich unmittelbar aus der Boden-Lage erhebende Sprünge, tänzerisch poesievolle Flirts, aber auch aggressiv ausgetragene Konflikte. Alles wird auf wundersame Weise fließend verbunden. Ohne einschnürendes Programm-Korsett begeistert das vielgestaltige balletteuse Fest. Logisch, dass nach der leise verdämmernden Schluss-Sequenz nicht enden wollender Beifallsjubel ausbricht.
