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Richard Wagner: Die Feen

MusiktheaterPremiere: Theater: Oper Leipzig
Regie: Renaud Doucet  Musikalische Leitung: Ulf Schirmer   Foto: Kirsten Nijhof 
Von Ute Grundmann am 18.02.2013

Die Feenwelt bricht in die bürgerliche Wohlanständigkeit ein. Wie im Traum kann Arindal aus seinem weißen Wohnzimmer in die Waldidylle der Feen oder in einen Rittersaal hinübertreten; in seiner Küche erscheinen Feen in Kostümen der Wagner-Zeit und wenn das Licht unheimlich flackert, holt die praktische Hausfrau den Elektriker. Als Märchen zwischen Jetzt und Damals, Traum und Wirklichkeit kommt in der Oper Leipzig Richard Wagners erste Oper „Die Feen“ daher. Ein Spekatakel als Hommage an den Komponisten versprach das kanadische Regieteam (Inszenierung: Renaud Doucet, Bühne und Kostüme: André Barbe), doch spektakulär ist vor allem das Bühnenbild. Da ragt hinter Wohnzimmer und Küche eine riesige Hausfassade auf, deren Mittelteil sich heben und von oben den Feenwald oder von unten einen rotschwarzen Höllenschlund erscheinen lässt. Doch es beginnt in der bürgerlichen Wohnung: Ein Abendessen mit Freunden, der Hausherr zieht sich allein ins Wohnzimmer zurück, um im Radio die Übertragung der „Feen“ zuhören. Dann zieht es den Mann in die Musik und in die Geschichte hinein, er wird Arindal, der die Fee Ada liebt, aber sie nicht nach ihrer Herkunft fragen darf. Als er es doch tut, verliert er sie und wird verflucht.

Der junge Wagner schrieb das Libretto zu dieser heute sehr selten gespielten „Romantischen Oper“ selbst nach dem Märchenspiel „Die Frau als Schlange“ von Carlo Gozzi. Da schaut der Orpheus-Mythos ebenso um die Ecke wie das „Nie sollst Du mich befragen“ und wie in der „Zauberflöte“ sind Prüfungen zu bestehen, um die Lieb(st)e zu retten.
Renaud Doucet bringt das in knapp vier Stunden mit sehr viel Aufwand auf die Bühne, immer wieder postiert sich der Chor in prächtigen Ritterkostümen oder als züchtige Feen zu Massenszenen, wird von Krieg, Fluch und Verrat verhandelt. Nur Arindal, der Gänger zwischen den Welten, König im Feenreich, bleibt in diesem Kostümzauber stets der Bürgerliche in Hose, Hemd und Strickweste. Diese ausufernde und verwickelte Geschichte hat Wagner, mit allerlei Anklängen, sehr stimmungsvoll komponiert, mal tupft die Musik nur Akzente zum Gesang, mal malt sie breit die Stimmungen aus.

Das Gewandorchester unter GMD und Intendant Ulf Schirmer liefert diesen zügigen Wohlklang perfekt, doch richtig haften bleibt wenig, Akzente und Zuspitzungen fehlen in Musik wie Inszenierung. Sehr hörenswert allerdings die Titelpartien: Arnold Bezuyens Arindal berüht immer wieder mit heller, zärtlicher Traurigkeit. Und Christiane Libor ist eine fulminante Ada, die mit expressivem Spiel und Gesang zwischen Vertrauen, Verrat, Vergeben, Zorn, Liebe und Trauer den zweiten Akt fast alleine trägt.

Wenn Arindal dann, mit Stuhlbein (aus der Küche) und Leier bewaffnet, Ada mit der Kraft der Musik aus ihrem steinernen Gefängnis befreit hat, schwebt eine Göttergestalt an Schmetterlingsflügeln und mit Wagner-Barett ein und verkündet das allgemeine Happy End. Und nachdem die Feenwelt wieder hinter den Mauern verschwunden ist, liest das Ehepaar des Anfangs auf seinem weißen Sofa in der Partitur.

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