Grzegorz Stosz inszeniert das mit scheinbar leichter Hand, aber großer Ernsthaftigkeit. Als der Mittlere mal wieder große Tiraden schwingt, schiebt der Dicke trocken ein „Führer, befiehl!“ hinterher. Dann versuchen es die Schiffbrüchigen mit Demokratie, da wird ein Plakat mit dem Totschlagargument „Wir wollen ESSEN“ hochgehalten, finden sich nach der Abstimmung vier Stimmzettel (aus alten Liebesbriefen) in der Zylinderurne. Die drei Darsteller gehen vielschichtig und differenziert mit ihren Figuren um und mit viel Spielfreude, auch wenn ihnen dafür nur 65 Minuten bleiben.
Grzegorz Stosz inszeniert geradlinig und lässt die Frage nach dem, was Menschen einander antun, um zu überleben, immer im Raum stehen. Und er bricht Mrożeks Parabel mehrfach auf, indem er die Bühnenszene aus- und Filme einblendet, in denen die drei Protagonisten im bürgerlichen Anzug und Ambiente mit den Fingern Torte schlecken und das gerade Gesagte wiederholen: Nicht allein eine verzweifelte Situation bringt Menschen zu so einer „Lösung“. Zweimal greift Mrożek zum Deus-ex-Machina-Effekt: Da schwimmt ein Depeschenbote heran (im altmodischen Schwimmanzug mit „Deutsche Post“-Aufschrift) und bringt die Nachricht, dass die Mutter des Schmächtigen verstorben ist. Der ist damit, wie die anderen, eine Waise, die nicht geopfert werden darf. Dann taucht noch ein Lakai auf (beide Figuren: Uwe Körner) und entlarvt den Mittleren, der sich als armer Schlucker ausgegeben hat, als „Herr Graf“ – gegen den die Messer gewetzt werden dürfen.
Das ist so ansehnlich wie nachdenklich machend. Das doppelbödige Ende sei hier nicht verraten, nur soviel: Es ist so punktgenau wie perfide.
