Gut so – Ludi bleibt derweil ein Halm im Wind: lässt sich von Murat, dem freundlichen Kiosk-Besitzer an der Ecke, zu kleinkriminellen Gaunereien verleiten und sammelt auf Betreiben der Tochter Lou mehrfach einen Igel ein, der Schutz an Autoreifen sucht und beinahe platt gefahren würde. Für diesen stacheligen Freund (der im Stück auch sprechen kann, zum Beispiel den wenig hoffnungsfrohen Schlussmonolog) finden die Tochter von Ludi und Sanne zum Schluss ein gemütliches Biotop, das auch letzte Ruhestätte sein könnte: unter Baum und Strauch in einer Ecke vom Friedhof.
Zur wirklich stringenten Story also fügt sich der Text erkennbar noch nicht. Und Uraufführungsregisseur Bastian Kabuth zerfasert ihn im Kleinen Haus vom Freiburger Theater noch obendrein: durch ambitiöse Video-Filmerei zwischen den Szenen. Flugzeuge fliegen da zwischen Wolkenkratzern (wie im Filmklassiker „Metropolis“), und immer wieder spaziert der Igel durch die bewegten Bilder. Auch die düstren Geschäfte vom freundlichen Herrn Murat werden bebildert; aber eigentlich sorgen die Filmchen vor allem dafür, dass Lauckes ohnehin schon fragile Handlung nicht wirklich vorankommt; immer wieder wird sie aufgehalten. Und so kann sie schon gar nicht jenes Tempo aufnehmen, das für eine „Posse“ nötig wäre – also eine chronisch überdrehte Klippklapp-Komödie mit möglichst abstrusen Verwicklungen.
Klar: Im Stück um einen Karikaturisten sind alle Figuren Karikaturen. Aber tatsächlich ist „Nur das Beste“ eine Art Sozialdrama unter Mietern und Vermietern; und auch wenn das Personal fast durchweg ziemlich durchgeknallt daherkommt, wird am allgegenwärtigen Abgrund der Mietwohnungsmärkte so schnell keine Posse draus. Im Programmheft sinniert der Autor über alternative und sozial verantwortliche Modelle im Miet- und Vermietungsgefüge, stellt für die absehbare Zukunft auch den Eigentumsbegriff in Frage, gerade was Wohnraum betrifft, den alle benötigen… das ist das Thema, das wäre der Stoff für ein stärkeres Stück.
Mit Kabuths Uraufführung bleibt „Nur das Beste“ unentschieden; und das Freiburger Ensemble kämpft sich durch: Elisabeth Kopp als spätpolitisierte Sanne, Martin Hohner als ewig verträumter Igel-Retter Ludi, Iris Becher als schrille Boutiquen-Lady und Tim Al-Windawe als Medienmacher; Henry Meyer als Murat vom Kiosk, schließlich Holger Kunkel als Opernfreak und Moritz Peschke als Miet-Haiin Isi… Alle halten einigermaßen Abstand auf Manuela Freigangs kleinem Bühnengebirge, das kaschiert ist mit einer überdimensionalen Zeitungsseite. Aber noch wirkt das Stück als Ganzes nicht wirklich zwingend – weitere Inszenierungen werden Lauckes neuem Stück nur guttun.
