Brechts Shen Te heißt in Höhnes Fassung Besche und ist ein Trio: Juliana Götze, Zora Schemm und Nele Winkler spielen die drei, die statt des Tabakladens eine Teestube bekommen. Schöne spielerische Effekte ergeben sich, wenn in die als Teestuben dienenden offenen, beweglichen Zelte die vielen anderen „Downies“ zerstörerisch hineindrängen. Worauf die Besches sich zu martialischen Milizionären mit langen Schlagstöcken und mit dunklen Strumpfmasken verkleiden. Wenn der Hausbesitzer den vielen in der Teestube hausierenden Menschen zur Begleichung der Miete erotische Tänze für seine Nachtklubbesucher mit der Begründung abverlangt, Leute mit Down Syndrom seien im Augenblick im Trend, dann zeigen die mit wenigen Dessou-Teilen ein urkomisch lustvollironisches Tanzspektakel.
Urkomisch auch, wenn der massige Jan-Patrick Kern als sein Geld einklagender Monteur seine Forderung mit mehrfachem, drohendem Grunzen unterstreicht. Da wird eine Figur mit mimisch-gestischem Minimalaufwand sinnlich charakterisiert. Toll.
Und die bekannte Schauspielerin Eva Mattes schafft es in der Rolle eines der Erzengel, sich so ungspektakulär wie vollständig in das Ensemblespiel zu integrieren. Ihr vogelartiger Engel bewegt den Kopf ruckartig und zittert mit Händen, an deren Fingerspitzen Flaumfedern flattern. Wenn ihr eine der Besches ihren Beobachtungsplatz wegnimmt und sie zu den anderen, drangsalierten schickt, dann übernimmt ihr Erzengel plötzlich alle vorgeschriebenen Haltungen. Das Diktat der Betreuung, mal wieder.
In der zugleich dramaturgisch klugen wie lose geknüpften Spielfassung kommt auch die Liebe vor: „Deine Hand auf meiner Brust“, sagt eine der Besches ganz ohne Pathos zu ihrem Geliebten, den sie vom Selbstmord abhält. Ein mögliches Kind führt zur Frage, ob „Menschen mit Behinderung“ ein Kind bekommen sollten, wobei der Teufel einen Bluttest anregt, damit nur ein schöner Mensch dabei raus kommen kann. Es ist dies eine ungemein unterhaltsame, immer wieder auch anrührende, schauspielerisch zu einem eigenen, überzeugenden Stil führende Inszenierung. Eben einfach gutes Theater.
