Laien und Profis arbeiten hier nicht zusammen, die Grenze zwischen ihnen verschwimmt auf der Bühne völlig. Werner Hahn ist ursprünglich Sänger am Theater Hagen, das Oper und Ballett, aber kein eigenes Schauspiel hat. Mir riesiger Neugier und Energie hat er sich in das ihm zuvor völlig fremde Feld des Kinder- und Jugendtheaters hineingearbeitet. Angetrieben von der Erkenntnis, dass eine sich wandelnde Stadtgesellschaft neue Theaterformen braucht. Inzwischen ist das „Lutz“ eine Spielstätte nicht nur fürs Jugendtheater, auch für Seniorenclubs, Konzerte, Lesungen, Projekte. „Urbane Künstle“ nennt man das in Metropolen, was Hagen nun schon lange hat.
Das Festival findet nun in der Firma Bandstahl Schulte statt, weil das „Lutz“ gerade renoviert wird. Die Fabrikhalle ist ein idealer Spielort für das „Projekt Hagen“. Die Rollen heißen wie ihre Spieler, die Jugendlichen erzählen von ihrem Leben in Altenhagen, von ihren Träumen und Abneigungen. Sie sind nicht naiv und wissen genau, dass Medienmacher sie oft in Klischees von Ghettokids pressen wollen. Die Show, für die sie gecastet werden sollen, heißt „Ghetto deluxe“.
Es gehört viel Feingefühl und Meisterschaft dazu, aus so vielen Figuren auf der Bühne Individuen zu machen. Jeder kann hier seine Geschichte nur andeuten, aber das funktioniert grandios. Da gibt es Najib el-Chartouni, den bärtigen Rapper, der aggressive Töne mit sehr differenzierten Beobachtungen mischt. Oder Debborah Kuyitila mit ihrer geschmeidigen Soulstimme und trotzig-stolzer Körperhaltung. Niemand präsentiert sich als Täter oder Opfer, hier lernen die Zuschauer junge Leute mit großen Begabungen und klaren Zielen kennen.
Über Debatten um politische Korrektheit ist dieses Theater längst hinaus, auch Mutmach-Botschaften braucht Werner Hahns packende Inszenierung nicht. Es versteht sich einfach von selbst, dass diese grandiosen Leute die Zukunft gestalten werden. Egal, ob ihnen Medienfuzzis dabei helfen oder nicht.
