Die gelungene Uraufführung im Bochumer Theater Unten kommt zunächst komödiantisch leicht daher und setzt ganz auf Naumanns pointensatte, genau konturierten Dialogen. Die drei Familienzombies sitzen in hölzernen Wohnparzellen auf Rollen (Ausstattung: Udo Herbster): Moana in einem Badezimmer, das zugleich Büro ist, Boris in einer Küche mit Boardtrolley und Christiane hinter einem Newsdesk aus Kartons für Alkoholika. Zum familiären Stelldichein trifft man sich auf einem hereingeschobenen grünen Sofa. Naumanns Figuren entpuppen sich schnell als Sprechmaschinen, die sich völlig erklären, ohne Rest. Ein Geheimnis haben sie nicht, ihre Obsession ist ihre Funktion. Moana (Sarah Grunert) ist schiere Selbstkontrolle, getrieben von einer verqueren Arbeitsethik, Nicola Thomas als Christiane trägt ein ranzig gewordenes Engagiertsein vor sich her, bis sie ihren Abgang im Fernsehstudio inszeniert. Matthias Eberles Boris gibt dagegen den vermittelnden selbstgenügsamen Ruhepol. In diesen Kokon bricht das Unerwartete in Gestalt von Nikita. Torsten Flassig gibt ihm die Anmutung eines allseits freundlichen Seelenklöpplers, unberührbar und doch immer verfügbar; er hilft Moana mit ihren gebrochenen Armen beim Trinken genauso wie er sich auf dem Sofa interessiert Christianes Probleme anhört. Man denkt an Pasolinis Film „Teorema“, nur dass bei Naumann die Epiphanie nicht in gesellschaftliches Engagement, sondern in verstörte Innerlichkeit umschlägt. Als Nikita verschwindet und einen Kiosk eröffnet, lümmelt das Trio verstört im Polster („Erschöpft von uns selbst und ratlos“). Ein so unterhaltsamer wie beeindruckender Abend.
