Als Widerpart ist diesem rein weiblich ausgeführten Tanzstück ebenfalls als Uraufführung Edward Clugs männlich bestimmte Choreographie „No Men’s Land“ zu Milko Lazars fünfsätziger Ballettsuite für Cello und Orchester vorangestellt. Da gibt es in den Ensembles rhythmisch markante und kämpferische Konflikt-Szenen, die auch im Quartett oder als Zweikampf ausgetragen werden. Die Stuttgarter Vorzeige-Tänzer sind in schwarz-blauen Strümpfen und Kniebundhosen (bei nackten Oberkörpern) prachtvoll anzuschauen, ästhetisch selbst in hart konturierten, die Gliedmaßen abgewinkelten Posen und machohafter Protzerei. Erstaunlich sind manche sinnlich weich gleitende, fast weiblich anmutende Momente zu den (von Francis Gouton ausgeführten) Cello-Kantilenen. Weniger überraschen dagegen gegenseitige Demütigungen der stets auf flachen Sohlen tanzenden Männer (eine Gruppe muss ihre Hosen herunter lassen) und die Erniedrigung eines Außenseiters (mit dem Solisten Brent Parolin). Witzig endet das Stück, indem die eine Gruppe der Tänzer kniend den Gegner-Partnern von hinten einen Arm mit geballter Faust durch die gespreizten Beine schiebt – ein Bild erigierter Penis-Männlichkeit. Freilich steht nur ein bewunderter Akteur die steil aufrechte Haltung durch, alle anderen knicken ein und erschlaffen.
Die Mittelachse des sinnfällig komponierten Dreiteilers bilden, eine Stuttgarter Traditionslinie fortführend, Maurice Béjarts erstmals hier 1976 gezeigte „Lieder eines fahrenden Gesellen“ zu Gustav Mahlers Liedzyklus. In Stuttgart haben fast alle herausragenden Tänzerpersönlichkeiten „den schönsten aller Männer-Pas de deux’“ schon einmal vertanzt. Im Rollen-Debüt befleißigten sich Jason Reilly (Geselle) und Evan McKie (Begleiter) atemberaubender Eleganz und präsentierten neoklassische Tanzkunst vom Feinsten. Bariton Julian Orlishausen interpretierte den Vokalpart mit feiner Einfühlung, James Tuggle leitete das Staatsorchester Stuttgart (auch in den anderen Balletten) mit intensiver Musikalität.
