Das ist streckenweise amüsant. Das Premierenpublikum in Rendsburg war entzückt, einschlägigen Landesattraktionen von Wacken in Dithmarschen über Wikinger in Haithabu bis Winnetou in Bad Segeberg auf der Bühne zu begegnen. Und den Schauspielern und Schauspielerinnen darf man das Kompliment machen, dass sie sich in der Regie der Autorin und im Bühnenbild von Anja Jungheinrich allesamt mit Verve auf den mitunter weitschweifigen Text stürzen. Dass das alles grell, trashig und knatterchargig rüberkommt, ist gewollt. Aber der Text ächzt schwer unter der Prätention, bedeutsamere Themen abzuhandeln. Schon die Beanspruchung der Odyssee als mythische Folie trägt nicht, weil die Handlung über das zusammenhanglose Zitieren einschlägiger Versatzstücke nicht hinauskommt. Und die Lokalkolorit-Travestie läuft oft ins Leere, weil sie allzu Beliebiges an den Haaren herbeizieht. Da gibt es einen Fischkutter in Rendsburg, der vor Fehmarn fischt (und das bei den heutigen Spritkosten!), von Niebüll nach Sylt kommt man per Autofähre (hoffentlich strandet sie nicht am Hindenburgdamm!). Odysseas wird vom deutsch-dänischen Schweine-Schutzzaun aufgehalten, wo Kirke Nerze jagt, bevor sie mit ihm zur Disco nach Sylt aufbricht. So mischt sich flüchtige Reiseführer-Lektüre mit zusammenhanglosen Lokalzeitungs-Schnipseln.
Aber auch beim Genderthema bleibt der Text heillos in den Klischees stecken, die er, politisch bemüht unkorrekt, gern schrill parodieren würde. Und so steht am Ende der glücklichen Wiedervereinigung von Seas’ bürgerlicher Kleinfamilie nichts im Wege. Das Theater feiert den Status Quo – während draußen ein Krieg und eine Pandemie die Welt verändern.
