Und es kommen mehr ungebetene Gäste. Im Hintergrund erscheinen mehr und mehr Menschen, die unschwer als „Flüchtlingschor“ erkennbar sind. Sie sitzen an der Rückwand der Bühne als stumme Zuschauer. Der Flüchtlingschor greift ein, teilweise wird eine heruntergelassene Wand aus Gitterdraht überstiegen. Mit wohl dosiertem Einsatz aus Erlebnisberichten – immer wieder ist von Anfang an von den abgeschnittenen Köpfen zweier Cousins die Rede – projizierten Flüchtlingsbildern und Verkörperungen des Chores, der etwa eine Art Ganzkörper-Patchwork-Schlafsack als Begrüßungsgeschenk bekommt, inklusive Reißverschluss vor dem Kopf. Die etablierten Spieler assistieren dabei auffällig, auch die neuen Vorspieler fühlen sich nun schon etabliert. Immer reflektiert Stemanns grandiose Inszenierung somit die diffuse Haltung gutmenschelnder Schauspieler mit. Und dennoch bleibt das Geschehen keineswegs beim Dramaturgie-lastigen Gedankenspiel. Diese „Schutzbefohlenen“ sensibilisieren für ein komplexes Thema und die einfache menschliche Wahrheit dahinter: Waren wie Taschen oder Handys sind uns schlicht willkommener als existenziell bedrohte Menschen. Das bedeutet aber die Negation menschlicher Existenz. Wahrhaftig großes Menschheitstheater von heute.
