Die Idee klingt viel versprechend. Hier könnte man den durchgeknallten Wahnsinn ständig wechselnder pädagogischer Modewellen prima aufs Korn nehmen und darüber nachdenken, was Familie eigentlich bedeutet. Doch Steven Fechter bleibt an der Oberfläche der Thrillerhandlung kleben. Die Figuren sind eindimensional. Ein Ex-Soldat bezeichnet seinen Sohn als Feind und will die Jugendlichen mit Waffen bekämpfen. Eine Immobilienmaklerin schwafelt herum und demütigt ihren Mann, einen nicht sonderlich zu Abenteuern außerhalb der Zivilisation neigenden Zahnarzt. Der hat übrigens ein Problem, weil er sexuelle Erregung verspürte, als seine hübsche Tochter mal auf seinen Knien saß. Und natürlich gibt es auch noch ein Verhältnis zwischen zweien aus der Reisegruppe, die eigentlich nicht zusammen gehören.
Als Thriller ist das Stück vorhersehbar, als Komödie mittelprächtig, als Drama platt. Christian Schlüter tut im Bielefelder Theater am Alten Markt das einzig Richtige, um den Text erträglich über die Bühne zu bringen. Er hält ihn ständig auf der Kippe zwischen Glaubwürdigkeit und Satire, was das ausgezeichnete Ensemble gut umsetzt. Vorne schauen riesige ausgestopfte Tierköpfe aus der Wand, im Hintergrund von Jürgen Höths Bühne baumelt ein dichtes Labyrinth aus Plastikbaumstämmen von der Decke. Die 90 Minuten gehen schnell vorbei, unterhaltend ist diese „Schlangenbrut“. Aber auch nicht mehr, das interessante Thema wird höchstens angerissen.
