Es scheint, hier suchen sechs Personen einen Autor. Denn was in der Spielzeitvorschau des Schauspielhauses Bochum über dieses neue Auftragswerk von Erfolgsautor Martin Heckmanns steht, kommt nicht auf die Bühne. Von der Zirkusgeschichte ist so gut wie nichts übriggeblieben – außer ein paar hastig an- und ausgezogene Kostümchen und die Überschrift zum 2. Akt „Circus Vanitas“. Hausherr Anselm Weber entschied sich dafür, Heckmanns neues Opus mit den Schauspielern erst zu „erarbeiten“. Das sollte man einem absolut sprachlich orientierten Autor wie Martin Heckmanns ersparen. Die köstlichen Rhythmen und verschmitzt witzigen, ironischen, sarkastischen und immer intelligenten Wortspiele gehen unter in Doras lautstarker, rücksichtsloser Betriebsamkeit. Die Desillusion der praktischen Entstehung einer Inszenierung bis zur Bühnenreife will kein Premierenbesucher erleben, sondern die knisternde Spannung einer Uraufführung.
Angesichts des Titels hätten wir Verdacht schöpfen müssen. Zumal wissend, wer inszeniert und solche „Entstehungsprozesse“ allzu gern zelebriert. Zum Trost schickte man uns wenigstens mit einem Programmheft heim, in dem Heckmanns Text mit all den typischen Sprachfinessen des 42-Jährigen vom Niederrhein abgedruckt ist. Schriebe er ihn nun zur versprochenen Zirkusgeschichte um, dann könnte es tatsächlich noch ein echter Heckmanns werden. Die Bochumer Schauspieler übrigens schlugen sich wacker. Ihnen galt wohl in der erster Linie der höfliche Schlussapplaus.
_Weitere Termine: Mi 18.12.2013, So 22.12.2013, Fr 27.12.2013, So 12.01.2014, Sa 18.01.2014, Sa 25.01.2014_
