Andererseits werden auch die Geschichten der Songtexte gespielt. Sehr putzig ist das. „Spiel mir das Lied vom Tod“ erklingt, ein Ballettquartett tritt im Cowboydesign auf und illustriert stummfilmschrill „Rocky Racoon“ der Beatles. Es schließt sich ihr „Mother Nature’s Son“ an: Dabei gibt ein Tänzer den „Country Boy“, hackt Holz mit nacktem Oberkörper auf leerer Bühne, während eine Ballerina die Vorzüge ihres Körpers in allen erdenklichen Posen und Tabledance-Animationen darbietet. Bis der Naturbursche mal einen Blick auf ihren Pöter, in ihre Augen riskiert – und panisch wegläuft, verfolgt von der Verführerin.
Ob nun im Fado-Stil, als Arie, Rockballade, Pop-Petitesse – in getragenen Tempi präsentiert der Abend zumeist als Pas des deux das übliche Aufeinanderzu, Voneinanderweg von Mann und Frau: ein paar Schritte miteinander, dann lieber wieder allein, langsames umeinander Drehen, unermüdlich den Raum (und damit die Beziehung) zwischen sich neu definieren, schließlich kurz gemeinsam Adrenalin- oder Endorphinschübe herbeiwirbeln. Disziplin und Wildheit im steten Clinch. Wenn sich aber mal einer der eitlen, scheuen Herren an eine der eitlen, kratzbürstigen Damen kuschelt, stößt sie ihn gleich wieder zurück, worauf mit exaltierter Armchoreographie in stummer Hektik gestritten wird. Erst im vorletzten Song, Red Hot Chili Peppers’ „Road trippin’“, kommt es mal zu einer angedeuteten Umarmung; zitternd gierige Lippen könnten nun unter Einsatz von Speichel-Schmierstoff innigen Kontakt aufnehmen, aber die Frau fällt einfach um. Er und sie als wir, das wird einfach nichts. Chronisches Scheitern, unterhaltsam anzusehen. Ein Satyrtanzspiel zum „Schattenmann“ der 17 Hippies beendet dieses szenische Liebesgedicht, das bei aller Unterschiedlichkeit im Einsatz von Körper, Raum und Klang durch seine Lust auf Leidenschaft zusammengehalten wird.
