Nur auf die drei gleichen mannshohen, weißen Tafeln an den Bühnenseiten fällt gelegentlich schemenhaft ein Licht-Bild. Wie ein ständig bewegtes Perpetuum mobile zieht sich die Vorstellung im völlig überheizten Saal der Zechen-Waschkaue 100 lange Minuten hin. Strawinskys Musik wird umrahmt von Schmidthals‘ Stücken. Sie sind dem großen „alten“ Meister nicht völlig unähnlich, zumal in der Instrumentierung der gelegentlichen kurzen Solopassagen etwa für Flöte, Piccolo oder Geige. Aber die ungeheure Dynamik und Dramatik des Russen fehlt Schmidthals völlig. Chétouanes neue Sicht auf ein Meisterwerk ist mit enormer philosophischer Hintergründigkeit gespickt, wie die Beiträge im Programmheft offenbaren. Nur leider wurde daraus kein aufwühlendes Theatererlebnis. Freuen wir uns also wieder einmal auf Pina Bauschs „Frühlingsopfer“, das im Jubiläumsjahr von „Sacre du Printemps“ von New York bis Taipeh, im Bolshoi-Theater wie am Pariser Uraufführungsort besonders gefragt ist.
