Fünf Türen stehen frei auf der Bühne des Theaterhauses – und die Schauspieler verschwinden durch sie und tauchen als andere Figuren wieder auf. „Wir Glücksritter“ ist eine Szenenfolge mit ganz unterschiedlichen Stationen: Andreas Altmann parodiert einen Selbstfindungskurs bei einem indischen Guru. Nellja Veremej schildert eine Mitfahrgelegenheit, bei der die Fahrerin ihre Insassen gängelt und diktatorisch die Dauer der Pinkelpause bestimmt. Anna Bronsky hat wiederum ein Casting für die Supermama inszeniert – und skizziert dabei die Tristesse einer vom Alltag zerrütteten Familie.
Elegant verknüpft die Bühnenfassung diese literarischen Texte mit der Geschichte des jungen Paares, das plötzlich mit einem Kind dasteht und versucht, mit der neuen Situation umzugehen. Das klingt banal, aber ist letztlich nur der Kitt für die unterschiedlichen Beiträge aus dem Netz, die nicht immer dramatisch sind. So will der junge Mann seiner Freundin einen Brief schreiben, in dem Text „Arbeit 1“ von Lutz Hübner wird er aber immer vom Internet abgelenkt. Der Schauspieler Yavuz Köroglu geht hierzu durch die Türen – und raffiniert wird durch Worte der Eindruck erweckt, er sei beim Googeln wieder in einem neuen Raum, einem neuen Fenster gelandet. Eine kluge Lösung für etwas, das sich auf der Bühne eigentlich gar nicht darstellen lässt.
Der Regisseur Oliver Dominique Endreß hat launig und kurzweilig inszeniert, und das multikulturelle Ensemble des Theaterhauses geht mit großer Spiellust an die verschiedenen Typen heran, die häufig auch skurril und überdreht sind. Besonders amüsant ist der Auftakt des Abends, eine Podiumsdiskussion, bei der sich die Darsteller unters Publikum mischen und äußerst witzig mitdiskutieren, „lauter“ rein rufen oder „Ich muss mich entschuldigen für meine Frau“.
