Mit seinem Stück gewann Data Tavadze einen von zwei ersten Plätzen beim 9. Osteuropäischen Dramawettbewerb „Talking about borders“; Schauspieldirektorin Dorotty Szalma, die zur Jury gehörte, holte die Uraufführung nach Zittau. Und Piotr Jedrzejas hat sie über weite Strecken beklemmend-realistisch inszeniert. Der Krieg ist überall und doch kaum greifbar; die Frauen sind Opfer und bringen zugleich ihre eigenen Mörder auf die Welt, wie Sina sagt. Die junge Tina ist für sie die einzige, brüchige Verbindung zu ihrem Krieger-Sohn; mal behütet sie sie, mal stößt sie sie weg. Der Krieg macht alle misstrauisch und verletzlich, furchtsam und zornig zugleich.
So ganz kann die gut zweistündige Aufführung die Intensität dieser Kriegsklage nicht halten, auch weil Tavadze zuviel in sein Stück hineinpackt.
Ein Psychodrama mit Klischees zwischen Sina und der Fast-Schwiegertochter, ein immer wieder kehrender uniformierte Kurier, der Iraklis Sold bringt, vom dem die Frauen überleben müssen. Und auch die Aufzählung all der Kriege und Toten der letzten Jahrzehnte braucht es nicht, der Gedanke an die Ostukraine schwingt von Beginn an mit. Aber auch wenn das Stück manchmal in Monologe zerfällt, ist es doch eine bewegende Klage über einen Krieg, der in jede Phase dieser Frauen-Leben kriecht, die sich mit der Wegseh-Frage „Was geht uns das alles an?“ zu entziehen versuchen, aber keinen Ausweg finden. Am Ende rührt Sina selbst die Trommel, die die Soldaten ruft.
