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Austauschbar, leidenschaftslos

Richard Wagner: Tannhäuser

MusiktheaterPremiere: Theater: Oper Köln
Regie: Patrick Kinmonth  Musikalische Leitung: François­-Xavier Roth   Foto: Bernd Uhlig 
Von Ulrike Kolter am 25.09.2017

In dieser Raumsituation Wagner zu spielen, ist durchaus ambitioniert, denn das Staatenhaus als Interimsspielstätte der Kölner Oper bietet keinen Orchestergraben. Das hat den Vorteil, für jede Inszenierung neue Raumgestaltungen schaffen zu können, aber den Nachteil, dass ein ausgewogener Gesamtklang von Sängern und Orchester schwer herzustellen ist.

In Patrick Kinmonths „Tannhäuser“-Inszenierung zur Spielzeiteröffnung sitzt der Klangkörper in einer kraterartigen Vertiefung der Bühnenmitte, ringsherum hat Darko Petrovic eine dreckig-bemooste, ansonsten reichlich kahle Bühne gebaut, mit Stühlen, Treppen, einem umgitterten Podest und papierweißen Säulen, die gelegentlich (aus unerfindlichen Gründen) vor- und zurückfahren. Generalmusikdirektor François­-Xavier Roth muss in alle Himmelsrichtungen dirigieren und hat die Sänger überwiegend hinter statt vor sich, derweil den Darstellern das Publikum nur wenige Meter vor der Nase sitzt. Ergo: Vor allem David Pomeroy als Tannhäuser muss sich extrem zurücknehmen, was ihm bei seinem formidabel einstudierten Rollendebüt erstaunlich gut gelingt, meist findet er die Balance zwischen Kraft („Erbarm dich mein!“) und filigraner Stimmführung innerhalb der Mörderpartie.

In dieser fast kammermusikalischen Bühnensituation sind die Liebesgöttin Venus (eher reif als erotisch: Dalia Schaechter) und die stumme Figur der heiligen Jungfrau Maria (Silke Natho) ständig als Antagonistinnen anwesend, streifen umher oder gestikulieren bedeutungsschwanger mit den Händen. Auch im Bühnen-Hintergrund augenfällige Symbolik, wenn gelangweilte Männer mit Laptops auf ihren Schreibtischen lümmeln und sich von einer Horde rothaariger Lolitas uninspiriert besteigen lassen. Elisabeth bleibt in dieser artifiziellen Welt leider wenig Handlungsspielraum, sie hockt da brav, fast teilnahmslos, bis sie in der hier gespielten Dresdner Fassung des „Tannhäuser“ beim Leichenzug aufgebahrt wird. Kristiane Kaiser gelingt wie David Pomeroy ein beachtliches, für die szenische Handlungsarmut dennoch ausdrucksstarkes Rollendebüt.

Auch die übrige Solisten-Riege überzeugt: etwa Landgraf Hermann, rauchend meist und mit profundem Bass (Karl-Heinz Lehner), ein erfreulich ausdruckstarker Dino Lüthy als glockenheller Walther von der Vogelweide oder der junge Hirt von Maria Isabel Segarra. Miljenko Turk als Wolfram von Eschenbach verfällt leider gelegentlich einem Hang zur Theatralik.

Die Frauen austauschbare Klone, Venus mehr gealterte Diva als Liebesgöttin – und Tannhäuser muss sitzend seine Romerzählung darbieten: hübsch anzusehen zwar, aber besonders erkenntnisbringend ist Patrick Kinmonths Regie nicht. Dafür beglückt das Dirigat von François­-Xavier Roth umso mehr! Wie er schafft, den formidabel intonierenden Chor und alle Beteiligten in dieser Konstellation zusammenzuhalten, das Orchester dabei nicht zu laut auftrumpfen lässt und klug akzentuiert, verdient alle Hochachtung. Allein der musikalischen Leistung wegen ein gelungener Spielzeiteinstand der Kölner Oper. 

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