Ein Rückblick: 13. Sächsisches Theatertreffen in Görlitz und Zittau
Foto: Das 13. Sächsische Theatertreffen in Görlitz und Zittau 2026. © Pawel Sosnowski Text:Miguel Schneider, am 7. Mai 2026
Sechs Tage lang wurde die Oberlausitz zum Treffpunkt der sächsischen Theaterlandschaft: Vom 21. bis 26. April 2026 richtete das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau das 13. Sächsische Theatertreffen aus. Auf sechs Bühnen waren 21 Inszenierungen zu sehen.
Von Schauspielklassikern über zeitgenössische Stoffe bis zu Tanz, Musiktheater und experimentellen Formaten zeigte das Festival die Bandbreite der sächsischen Bühnen. Auffällig war dabei der Blick über Landes- und Genregrenzen hinaus: Das trinationale J-O-Ś-Festival war in das Theatertreffen eingebunden, Produktionen aus Polen und Tschechien standen neben Arbeiten aus Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen-Zwickau, Annaberg-Buchholz und Görlitz-Zittau.
Von Machtspielen und Gegenwartsfragen
Den Preis des Sächsischen Theatertreffens erhielt am Abschlusstag das Theater Plauen-Zwickau für „Richard III.“ in der Regie von Dirk Löschner. Die Jury würdigte unter anderem die darstellerische Genauigkeit, die ästhetische Geschlossenheit und die besondere Setzung eines rein weiblichen Ensembles. Shakespeares Machtstück wurde so als historisches Intrigenspiel lesbar und richtete auch Fragen an die Gegenwart: Wer darf Macht ausüben, wer wird ihr ausgeliefert, und welche Körper werden auf der Bühne mit ihr verbunden?

Charlotte Ronas (l.) und Claudia Lüftenegger in Dirk Löschners Inszenierung „Richard III.“ am Theater Plauen-Zwickau. Foto: André Leischner
Zu den Produktionen, über die im Rahmen des Treffens besonders gesprochen wurde, gehörten „Der Girschkarten“ vom Schauspiel Leipzig – Lukas Rietzschels Tschechow-Variation über Herkunft, Erinnerung und ostdeutsche Gegenwart ist auch zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen – sowie „Der Nazi & der Friseur“ vom Staatsschauspiel Dresden.
Auch Arbeiten wie „Der Fall Mutter“ des Theaterkollektivs missingdots oder „Mein Du“ vom Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz zeigten, wie unterschiedlich die sächsischen Bühnen derzeit nach Formen für gesellschaftliche Verunsicherung, familiäre Brüche und politische Gegenwart suchen.
Die Oberlausitz als Kulturraum
Neben der Leistungsschau des Theatertreffens ging es auch um eine kulturpolitische Standortbestimmung. Gerade in Görlitz und Zittau stellte sich die Frage nach Theater in der Fläche besonders konkret: Wie lässt sich künstlerische Vielfalt erhalten, wenn Ressourcen knapper werden? Welche Rolle spielen Stadttheater in Regionen, die oft eher als Randlage beschrieben werden, kulturell aber längst Verbindungsräume sind? Unser Autor Volker Tzschucke hat diese Spannung in seinem Beitrag „Sächsische Theatertreffen: Dystopien in Zittau“ eingeordnet.
- „Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben“, ein Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Robert von Janosch und der Regie von Robert Czechowski im Haus Zittau. Foto: Pawel Sosnowski
- Das Trauerspiel „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller an den Landesbühnen Sachsen. Foto: René Jungnickel
- Die Komödie „Der Girschkarten“ von Lukas Rietzschel am Schauspiel Leipzig. Foto: Rolf Arnold
- Olga Dimitrijević‘ „Mein Du“ am Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz als Teil der Erzgebirgischen Theater und Orchester GmbH. Foto: Dirk Rückschloss
- „Der Nazi & der Frisör“ nach dem Roman von Edgar Hilsenrath am Staatsschauspiel Dresden. Foto: Sebastian Hoppe
- Ray Cooneys „Mayday ‚Run for your wife’“ des Teatr im. Cypriana Kamila Norwida Jelenia Góra. Foto: Marcin Kaźmieruk






