Porträt einer Person von vorne, rötlich beleuchtet

Über die Musik zum Spiel

Mit 23 Jahren ist Paula Carbonell Spörk das jüngste Mitglied im Ensemble des Schauspiels Köln. Nach ihrem Studium in Wien hat sie unter Kay Voges Intendanz ihr Erstengagement begonnen.

Manchmal schwenkt das Leben unerwartet in eine neue Richtung. Für Paula Carbonell Spörk war der berufliche Weg vorgezeichnet: klassisches Klavier. Mit 14 war sie in der Vorbereitungsklasse der Uni, mit 18 sollte die Aufnahmeprüfung fürs Studium folgen. Doch dann kam die Pandemie und sie saß daheim bei den Eltern und drei jüngeren Geschwistern im österreichischen Burgenland und schaute im Lockdown Filme. Da ist es passiert. „Mich hat der Blitz getroffen“, sagt die 23-Jährige und lacht.

Sie kann nur schwer erklären, was mitten im Film zu Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit“ passierte. Es war ein intensives Gefühl, das sie durchströmte, als Kate Winslet als Marianne am Klavier saß und sang. „Da habe ich gedacht: Das ist es, ich will Schauspielerin werden.“ Sie kommt aus einer Künstlerfamilie, die kubanische Mama ist Klavierlehrerin, der österreichische Papa Musikkabarettist. „Ich hatte das Glück, dass ich für den Schauspielwunsch nicht wie andere kämpfen musste.“ Die Eltern unterstützten sie.

Jetzt, fast genau fünf Jahre später, sitzt sie im Café „Radix & Anima“ in Köln-Mülheim in der Sonne und ist glücklich. Ganz in der Nähe ist das Depot des Schauspiels Köln, wo sie seit dieser Spielzeit die Jüngste im Ensemble von Kay Voges ist. Ein „Jackpot“: das erste Engagement gleich an einem so renommierten Theater.

Das Schauspielstudium hatte auf Anhieb geklappt. Ihr Talent und die Disziplin, die sie als Pianistin hat, sind eine befruchtende Mischung. Sie wurde an der MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien angenommen und sprang noch während des Studiums am Volkstheater in „Du musst dich entscheiden“ für eine kranke Darstellerin ein. Ein Glücksfall! Auch für den Intendanten, der von der jungen Schauspielerin so beeindruckt war, dass er sie fragte, ob sie mit nach Köln geht.

eine Person vor einer großen Trommel mit Schlägern in der Hand mit Uhr darüber an der edlen Holz-Wand

„Requiem für eine marode Brücke“ im Kolumba Museum in Köln. Foto: Birgit Hupfeld

„Paula ist nicht nur eine tolle Schauspielerin, sondern auch eine wahnsinnig gute Musikerin“, sagt Kay Voges. Zu erleben ist das etwa in „Requiem für eine marode Brücke“, wo sie sich im maßgeschneiderten Anzug mit Körperspannung, festem Blick und starker Stimme in eine Politikerin verwandelt und später im Vogelkostüm mitreißend ein Stück von Brahms auf der Pauke spielt und singt. Auch in „Dat Wasser vun Kölle es jot“ überzeugt sie mit Gesang und damit, wie glaubhaft sie mit Mimik und Gestik zwischen den Rollen als Pharmazeutin und Aktivistin wechselt. Und selbst wenn sie stumm auf der Bühne sitzt oder bei „Imagine“ Orgel spielt, sprechen ihre Augen und sie wirkt hellwach.

Musik hilft ihr, Zugang zum Spiel zu finden und Figuren zu fühlen. Es freut sie, dass sie ihr Talent in Köln auf der Bühne ausleben kann. Aber genauso liebt sie es, in Texte einzutauchen und Rollen zu kreieren. „Sprache ist ja auch ein Instrument.“ Fünf Produktionen hat die 23-Jährige in ihrer ersten Spielzeit gemeistert. Dazu Lesungen und Musikabende. „Das Leben ist kurz, ich möchte so viel wie möglich mitnehmen.“

Der Intendant schätzt auch ihre positive Persönlichkeit: „Sie ist eine absolute Frohnatur.“ Stimmt! Es kommt nicht häufig vor, dass Interviews so voller Freude und Leichtigkeit sind. Zum Abschied winkt Paula Carbonell Spörk lachend vom Fahrrad und ruft ein rheinisch-wienerisches „Tschüss Baba“.

In Heft 4/2026 „Saisonbilanz“ erscheint ein Porträt über Hausautor und -regisseur des Schaupiels Köln Calle Fuhr sowie eine Bilanz zu Kay Voges‘ erster Spielzeit am Haus. Das Heft erscheint Mitte August.