Wie verändern sich Theaterstrukturen, Repertoires, Besuchszahlen und Arbeitsweisen? Das Themenheft „Daten-Theater“ des Deutschen Bühnenvereins und der DEUTSCHEN BÜHNE stellt Theaterstatistik und Werkstatistik vor, erklärt ihre Unterschiede und zeigt, welchen Nutzen beide Statistiken für Theater, Forschung und Kulturpolitik haben. Beiträge, Interviews und Grafiken erläutern historische Entwicklungen und aktuelle Daten. Das kostenlose digitale Sonderheft zeigt, wie die Auswertung von Statistiken die Theaterlandschaft und ihre Entwicklungen beschreiben kann. Anlass für die Publikation ist der Start des neuen Theaterstatistikportals des Deutschen Bühnenvereins, über das die Theater ab sofort ihre Daten eingeben können.
Editorial:
In Stanisław Lems brillantem Buch „Eine Minute der Menschheit“ von 1983 wird der Versuch beschrieben, unsere gesamte Existenz für die Zeitspanne von einer Minute statistisch zu erfassen: von der Nennung aller statistisch zu verzeichnenden Todesarten dieser Minute über den Umfang von ausgeschiedenem Ejakulat über Waffengebrauch bis hin zur Kunstproduktion. Bei Lem und in der aktuellen Inszenierung seines Buchs am Deutschen Theater Berlin zeigt sich, dass Statistik und Theater wie erwartet nicht zusammenpassen. Andererseits entsteht in der skurrilen Verbindung von darstellender Kunst und Statistik eine Form von absurdem Theater.
Die Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins unternimmt Jahr für Jahr den so mühseligen wie spannenden Versuch, das ganze Schaffen professioneller Bühnen im deutschsprachigen Theater in Zahlen zu fassen. Die geschwisterliche – nicht aber mit ihr zu verwechselnde – Theaterstatistik hingegen geht von den Betrieben aus. Die Stadttheater als Kern des deutschen Theatersystems bieten einen institutionellen Rahmen für kreative, nichtkommerzielle Theaterarbeit. Und tragen damit die spannungsreiche Last, Verwaltung zu organisieren, um Kunst möglich zu machen. In der Theaterstatistik werden daher zentrale Daten über Betriebe, Angestellte und Besuchszahlen gesammelt und aufgearbeitet.
Der Anlass für dieses Heft ist der Start eines neuen Dateneingabeportals der Theaterstatistik. Ziel dieser Publikation ist es, beide Statistiken vorzustellen, zu illustrieren und ihren kulturpolitischen Wert zu erläutern. Das Heft soll eine Etappe in der Entwicklung markieren und bei der Verbesserung der Theaterstatistik helfen. Damit die Theater auch weiterhin ihre Daten zur Verfügung stellen und sie damit für eine breite Öffentlichkeit nutzbar werden.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre. Mögen die Zahlen Auskunft geben über wichtige Aspekte der Theaterarbeit und ihrer Resonanz in der Gesellschaft.
Detlev Baur, Chefredakteur DIE DEUTSCHE BÜHNE
