Eine jeweils dreiminütige Mini-Inszenierung gibt es pro Fenster zu sehen, im direkten Dialog wird mit dem Publikum Stein-Schere-Papier gespielt, es wird ein Lied gesungen, Nützliches über Kaiserschmarrn vorgetragen, die Liebe gefunden oder Sprechübungen gemacht. Ein kleines Stück Unterhaltung eben, 15 Minuten Theater, die sich schnell mal während des Spaziergangs über den Wall zwischendrin absolvieren lassen, in aller Sicherheit.
Sich ausgedacht und eingerichtet haben das Projekt Intendant Erich Sidler, Regisseurin Antje Thoms und Bühnenbildner Florian Barth. Jeweils zwei Stunden täglich, zur besten Flanierzeit zwischen 16:30 Uhr und 18:30 Uhr, soll die Tankstelle bis auf Weiteres geöffnet haben, die fünf Räume werden im Wechsel von allen Mitgliedern des Ensembles bespielt, vorbeikommen soll das Publikum spontan beim Spaziergang. Dabei ist „Tankstelle“ weniger eine Inszenierung als vielmehr ein Lebenszeichen des Deutschen Theater, eine Botschaft an die Menschen in der Stadt, prominent platziert, dass es eben doch weitergeht. Dass auch unter widrigen Umständen theatrale Formen gefunden werden können, auch solche, die sich nicht ins Digitale zurückziehen müssen.
„Tankstelle“ ist dabei vor allem: charmant. Es wird kein großer gesellschaftspolitischer Bogen gezogen, nichts großartig kritisiert, es ist keine Mahlzeit – die gibt es an Tankstellen ja sowieso nicht –, sondern ein Snack. Ein Schokoriegel mitten in der Nacht. Ein Getränk zu einer Uhrzeit, zu der es woanders keine Getränke mehr gibt. Eine schnelle Freude beim Flanieren, für ein kleines Lächeln unter dem Mundnasenschutz.
