Die Darstellerinnen und Darsteller der Uraufführung gehen ihre Sisyphosaufgabe mit viel Engagement an; zu Beginn scheint es, als ginge es darum, dass fünf Selbstdarsteller sich möglichst auf Kosten der Anderen nach vorne spielen. Dabei wäre es fürs Publikum vielleicht hilfreicher, wenn stärker über die so wundervoll fließende wie kalt abstrahierende Sprache des Dramas des entfremdeten Freundes und Mannes gedacht würde. Erst wenn beim ersten, sprachlich beschriebenen Blick auf den Tempel die nie um eine Geste oder ein Wort verlegene Christina der Linn Reusse feststellt: „ja gut da fehlen uns, fehlen uns die worte das zu fassen“ – wird die Erschütterung der Mitspieler deutlich. Insgesamt ist die Spielfreude des Ensembles ein entscheidender Pluspunkt der Inszenierung; vor allem Linn Reusse und Bernd Moss als Markus bestechen durch starke Präsenz und komische Momente; Natali Seeligs Petra entwickelt auch ihrem metaphorisch angehauchten, ebenfalls nur erzählten Kind Kurt gegenüber, das zwischen mythischem Zwitterwesen aus Mensch und Bremse sowie Ikarus oszilliert, intensive Gefühle. Auch Harald Baumgartners Kurt und Edgar Eckerts Thomas spielen ihre Rollen überzeugend in einem nicht eben leicht bespielbaren Raum. Die Bühne (Viktor Reim) besteht im Zentrum aus einem Trümmerhaufen, der eher an eine Pyramide als an einen Tempel erinnert. Die Kostüme (Julia Dietrich) deuten Opernglamour an; mit tier- oder steinähnlichen Masken verwandeln sich die Akteure auch in lokale Zaungäste des Bauexperiments. Zudem wirkt der Raum auch in Verbindung mit den (Live-)Videos (Sebastian Pircher) etwas überladen; dabei passt die Idee, Heinar durch fremde Linsen darzustellen gut zum anspruchsvollen Text. Die Berliner Uraufführung zeigt in knapp anderthalb Stunden Stärken des Stücks wie die Schwierigkeit seinen ganzen Reichtum durch Menschen aus Fleisch und Blut umzusetzen.
