Die Regie von Jacob Peters-Messer setzt darauf, die Geschichte weniger in die psychologisierend symbolistische Traumdeutung entschweben zu lassen, als vielmehr in Richtung eines handfesten Scheiterns von Trauerarbeit zu erden. Pauls Versuche seiner fast schon krankhaften, gar ins Ersatzreligiöse überhöhten Trauer um seine geliebte Marie ausgerechnet in der sterbenden Stadt Brügge zu entkommen und ins Leben zurückzukehren, enden in der Katastrophe. Nicht wie bei Korngold in einem sozusagen therapeutisch geträumten, sondern in einem ganz realen Mord. Diesmal bleibt die heitere, dem Leben und der Liebe zugewandte Marietta, die beharrlich gegen Maries Übermacht angekämpft hat, tatsächlich tot am Boden liegen. Paul hat sie mit den aufbewahrten Haaren der Toten erdrosselt.
Hinter dem großen Rahmen oder Portal, das wie ein Fenster zur Wirklichkeit oder zur todessüchtigen Stadt mal mit Vorhängen, mal mit Jalousien verhängt ist, wird nach dem Mord ein Personal sichtbar, das einen Delinquenten, der nichts dafür kann, in seine Obhut nehmen könnte. Doch das Sinken des Vorhangs nach dem letzten „Mein Glück, das mir verblieb“ lässt die Frage, was (Alp-)Traum, was Wirklichkeit ist doch wieder offen. Die Außenwelt war zu Paul nur als Schauspielertruppe oder als Prozession vorgedrungen. Aber auch da blieb alles unwirklich, und die Regie hielt sich vornehm zurück. Die Damen und Herren von der Schauspieltruppe in Strapsen und die Priester mit rotgeschminkten Lippen und einem Knaben zum Begrabschen genügen. Die Melange aus Psychologie und Atmosphäre, die Peters-Messer und sein Team (Bühne: Guido Petzold, Kostüme: Sven Bidseil) finden, passt alles in allem maßgeschneidert zu dieser Musik. Am Ende – durchatmen und ungetrübter Beifall.
