Ohne Umschweife stürzt Medea die Zuschauer in medias res. Ihr leises solistisches Entree ist die heftige Befindlichkeitsklage einer Abservierten. Lediglich hinter oder unter dem Vorhang hervorbrechende Flashbacks verweisen auf die glückliche Vergangenheit – verkörpert durch das auch später immer wieder schlaglichtartig in Erscheinung tretende junge Paar Ana Dordevic und André Silva. Zwar unterscheidet sich die körperliche Qualität ihrer Beziehungsduette nur wenig von derjenigen des etwas aggressionsgeladener aufeinander prallenden Hauptpaares. Dennoch wird, besonders in jener Passage, wo Medea und Jason sich an einem Tisch vereint gestisch fetzen, die Gleichzeitigkeit der Empfindungen deutlich, die die verlassene Geliebte umtreibt.
Eine fünfköpfige Gruppe packt minutenlang ihre maskulin-archaische Power in ein volkstanzartig kräftiges Schrittvokabular mit eckigen Armen, zuckenden Schultern, Grimassen und breitbeinig kantigen Hüpfern. Die zu Klavierklängen spiegelbildlich ausgeführten Variationen der fröhlichen Kinder erinnern an Illustrationen alter Spielbücher. Nahezu farblos dagegen und mit einem mobilen Brückengerüst auf Raumwirkung reduziert ist die vom Choreographen gemeinsam mit Andrea Kuprian-Maier (Bühne) und Marco Vitale (Licht) geschaffene Umgebung. Luftige, manchmal in den Tanz einbezogene schwarze und weiße Vorhänge dominieren das in dämmriger Atmosphäre gehaltene Ambiente. Glaukes Ringen mit dem Tod auf erhöhtem Podest und sich weit aufbauschenden roten Rocktüchern wird darin zum visuellen Knalleffekt, ebenso wie Medeas danach blutgetränkte Hände. Mehr Eyecatcher braucht ein Werk wie dieses, das durch seine Interpreten lebt, auch nicht. Ein Bravo für Augsburgs tolle Compagnie!
