Nanine Linning entwirft mit Vorliebe ganze Raumkonzepte und übertritt mit spielerischer Leichtigkeit die vermeintlichen Grenzen der Sparte Tanz: Modedesign (wiederum hat Iris van Herpen die Kostüme entworfen), aber auch Videokunst (Roger Muskee) und Lichtdesign (Loes Schakenboes) zieht sie zur Visualisierung ihrer Installationen heran. Übergroße Nahaufnahmen der Augenpartien der Tänzer; Hände, die um die großen Gesichter auf der Leinwand greifen, holen den Zuschauer heran; Schatten und Lichtwechsel, dreidimensionale Videoaufnahmen in Parallele zum Bühnengeschehen verstärken perspektivisch den Ausdruck der Bewegungen und entwickeln eine große, suggestive Kraft.
Das Kollektive, ja fast Organische liegt der Choreographin außerdem besonders. Während die letzte Choreographie „Zero“ vor allem Ensembletableaus zeigte, fokussiert „Endless“ thematisch konsequent stärker die Duette, die einen großen Teil des Abends ausmachen und mit großer Genauigkeit erarbeitet worden sind. Diese Zweierkonstellationen sind sehr ausgedehnt und mögen vielleicht zuweilen einen etwas langen Atem erfordern. Aber sie steigern sich konsequent und leben wiederum von diesen organisch-engen, „Linning’schen“ Entwürfen, in denen Bewegungen synchron und doch gegenteilig, variierend zusammengefügt sind. Vielleicht sind die Bilderwelten, die Linning hier schafft, nicht ganz so wuchtig und opulent wie in vorherigen Choreographien. In „Endless“ geht es reduzierter zu. Dafür entstehen tief gehende ästhetische Eindrücke, die weder starr sind noch standbildhaft, sondern biegsam bleiben und Interpretationsspielraum schaffen.
