Zwar wird der Impuls der Bewegung nicht immer ersichtlich, wie ihn sich Rudolf von Laban in seiner Labanotation Anfang des 20. Jahrhunderts vielleicht vorstellte, jedoch liegt hier ganz klar die Motivation bei der Erforschung der körperlichen Bewegungsmuster und –möglichkeiten. Außerhalb der Dynamik aus Musik, Tanz und als Bühnenbild drapierten weißen Regencapes (Bühne: Stephan Thoss und Jelena Miletic) scheint es erst einmal keine zusätzlichen Inhalte zu geben, was eine geballte Konzentration auf der Bühne entstehen lässt. Die Musik strukturiert ohnehin den gesamten Tanzabend: Konsequent entscheidet sich Thoss für eine Reihenfolge – Gates, Loops, Bridges, Lines.
Das Projekt als Collage aus Laban-inspirierter Choreographie und minimalistischer Musik, das anfangs noch angenehm zart und klar überzeugte, enttäuscht nach der Pause mit einem Überschuss an Bühnenmitteln. Das ratlos eingebaute Bläserquintett mündet im schnulzigen Ende mit willkürlich herumflatternden Papierfetzen und wischt die Anfangsästhetik der Produktion fast vollständig weg. Trotz der Nutzung der gesamten Bühnentiefe mit Großauftritt des grau-glänzenden Ensemble Modern verliert sich sowohl die Aufgeregtheit von Steve Reichs „Eight Lines“ als auch das vielversprechende Zusammenspiel der Tänzerinnen mit der Musik.
Die Verbindung der extravaganten Bewegungslehre Labans mit den leicht-tänzelnden Tönen von Adams und Reich birgt ein Risiko: Wer nicht auf die Wirkung des Tanzes und der Töne selbst vertraut, geht auf Nummer sicher und fügt zusätzlich eine Interpretationsebene ein, die sonst auch das Publikum selbst hervorragend übernehmen könnte. So endete die Premiere mit begeistertem Jubel, dem es allerdings nicht ganz gelang, vereinzelte, enttäuschte Buhrufe zu übertönen.
