Frank Philipp Schlössmanns Ausstattung verlängerte die Betonarchitektur des Badischen Staatstheaters auf die Bühne, auf der die Kostüme grellbunte Farbakzente setzten. Nur einige Embleme (wie ein riesiger Lorbeerkranz) und ein paar Ornamente spielten an auf den Antikenkult um 1800, einige fähnchenschwingende Massenszenen auf die 1989 untergegangenen Volksdemokratien Osteuropas. Die eigentlich dem Ballett gewidmete Episode wurde zur Pantomime umgewidmet: Aron Stiehl zeigte die Ordensoberin beim Rendezvous mit dem Pontifex Maximus und wie sie beide einem „erweiterten Keuschheitsbegriff“ huldigen. Das konterkariert den im Stück angelegten grundsätzlichen Konflikt auf fast zu simple Art, nimmt ihn in seiner historischen Bedeutung als Plädoyer gegen Priesterbetrug und Säkularismus nicht weiter ernst. Die elaborierte musikalische Substanz hätte eine auch in Hinsicht auf die Psychen der Akteure differenzierte, insgesamt kunstfertigere Inszenierung verdient – möglicherweise unter Einschuss von Ironie, die bekanntlich auf der Opernbühne so schwer zu realisieren ist. Die Hauptdarstellerin Barbara Dobrzanska bewältigte die enorme Sopran-Partie insgesamt gut. Der Oberpriester Konstantin Gorny profilierte sich als Gegenspieler mit distinguiertem Bass und zwei leistungsfährige Tenöre blieben bestens in Erinnerung: Andrea Shin (als Licinius) und Steven Ebel (als dessen nicht minder überzeugender Freund Cinna).
