Karl (Philipp Hauß) und Franz (Christoph Luser), die beiden Brüder, stehen also vor der Tür der Eltern, die sich vorsichtshalber längst verschanzt haben. Mit der Welt da draußen wollen sie nichts zu tun haben, vor den eigenen Kindern und ihrer Verzweiflung haben sie dementsprechend Angst. Es ist der Tat verteufelt, wie ungleich die Karten verteilt sind – die Eltern haben sogar den besseren Sex als ihre Kinder. Regisseur Stephan Kimmig setzt im Wiener Akademietheater auf eine radikal reduzierte Bühne (Oliver Helf), ein Metallgerüst, auf dem gespielt werden kann, darunter ein angedeuteter Wald, und viele Szenen werden ohnehin auf eine Videowand eingespielt. Sonderlich von Wohlstand gezeichnet ist aber auch die Welt der Eltern nicht, der Spielraum bleibt seltsam abstrakt, was es nicht gerade einfacher macht, den komplexen Stücktext zu erden. Dem Abend fehlt die Interaktion, zu wenig spielen die Akteure zusammen, zu lange umkreisen sie verbal umständlich Themenfelder. Am ehesten funktionieren die Szenen der Eltern, wenn Martin Schwab und Barbara Petritsch monströs ihr Hab und Gut verteidigen, wenn Therese Affolter ihre Tochter (Sarah Viktoria Frick) als Leibeigene für sie schuften lässt und wie ein Kannibale anfällt. Ein grundlegendes Problem ist wahrscheinlich auch: Zwei Stunden totale Düsternis wirken schnell inflationär. Man stumpft ab. Und ein paar Striche mehr im Text hätten trotz Uraufführung auch nicht geschadet.
