Geht es hier um das Ich-Empfinden von innen, kommt im nächsten Solo das Bewusstsein der Außenwirkung hinzu. Anne Schmidt fährt ihren Körper mit der Hand wie mit einem Scanner ab. Sie guckt sich auf einem Video nach sich selber um. Es gibt Filmsequenzen aus Schlund und Knochenmark, ein Zimmer, das sich um sie dreht, als verfolge es sie. Die technisch ermöglichte Beobachtung von außen stört wiederum das Selbstempfinden.
Im dritten Solo sind die Bewegungen am meisten ins Roboterhafte zerlegt, wirken wie fremdbestimmt, um in der Maschinenmusik zu funktionieren. Video-Doubles treten aus Antonia Zagels Körper und erobern einen dreifach wiederholten Videoraum. Bringt nur die Virtualität Freiheit? Es entsteht ein Solo zu dritt, Bewusstseinsspaltung, Parallelwelten. Bis die echte Tänzerin die Hand durch den echten Tisch schlägt, als wäre er virtuell. Pointe einer zunehmenden Wirklichkeitsverwechslung. Pusch gelingt der Tanz mit den Medien, ihren Versprechungen und Konsequenzen, präzise, verblüffend, bannend. Ebenso präzise passen die Tänzer auf die Bilder und vermögen doch das Menschliche, Körperlich-Konkrete zu behaupten im Takt der Frequenzen und Projektionen.
