In Oldenburg hatte Gockel bereits die Psyche eines Menschen theatral gekonnt erkundet, indem er den Darsteller von Brechts Baal mit einer Marionette all die Ichs ausleben lässt, die dem Möchtegernanarchisten der Alltag nicht gestattet. Nun blickt der Regisseur mit Carrère in das Hirn von R., stellt freche Fragen und überführt die Geschichte im locker improvisatorischen Gestus in eine ironisch gebrochene Groteske über die Absurdität bürgerlichen Daseins, nicht auf-, aber allen gefallen zu wollen. Am Ende sind zwar alle Fragen offen, aber sie lugen fordernd deutlich durch die erfrischende Performance. Wie kumpelhaft auf Augenhöhe mit dem Publikum agiert und wie unaufgeregt uneitel zwischen Spiel, Erzählung sowie dem Reflektieren der Theatersituation und -mittel hin und her gesprungen wird – das beeindruckt. Gockels Theater muss nicht müssen. Es guckt mal was geht. Und es geht sehr viel. Hier entwickelt einer entspannt seine Regiehandschrift, charmant in ihrer hinterhältigen Beiläufigkeit.
