Aktuelles: Covershooting mit Schauspielerin Luisa Wöllisch
Von Detlev Baur am 15.09.2021
• Foto: Anne Fritsch
Das Bild zeigt: Luisa Wöllisch und Annette Hauschild von der Agentur Ostkreuz im Starnberger See
Die Schauspielerin Luisa Wöllisch lebt mittelerweile in München, wo sie inzwischen zum Ensemble der Kammerspiele gehört. Aufgewachsen ist sie in Tutzing am Starnberger See. Und hier traf sie sich mit der Berliner Fotografin Annette Hauschild und unserer Autorin Anne Fritsch fürs Covershooting des Oktoberheftes.
Das Cover wird auf unserem Oktoberheft zu sehen sein. Es geht im Schwerpunkt um Die Kunst im Anderssein – Inklusion am Theater. Darin auch ein Porträt von Anne Fritsch über Luisa Wöllisch, erfolgreiche Schauspielerin mit Down-Syndrom.
Der Termin begann an diesem warmen Spätsommertag am Seeufer, bis sich Fotografin und Darstellerin ins Wasser wagten.
Die Fotos stammen von unserer Autorin Anne Fritsch, die am Festland blieb.
Nachruf: Zum Tod der Schauspielerin und Prinzipalin Katinka Hoffmann
Von Detlef Brandenburg am 13.09.2021
• Foto: Contra-Kreis-Theater
Das Bild zeigt: Katinka Hoffmann mit Charles Regnier in Yves Jamiaques Komödie „Das schwarze Schaf“, inszeniert von Horst Johanning 1986 am Bonner Contra-Kreis-Theater.
Wenn man jetzt, aus dem traurigen Anlass ihres Todes, das Leben der Bonner Theaterfrau Katinka Hoffmann noch einmal Revue passieren lässt, dann stellt man fest: Das war Emanzipation als gelebte künstlerische Biographie. Und so beeindruckt es mehr als jede laute Parole. Katinka Hoffmann war Theaterkünstlerin mit jeder Faser ihres Daseins. Und sie stand für eine Form von Theater, die immer wieder unterschätzt wird: für das Privattheater, für den Boulevard, für die anspruchsvolle Unterhaltung. Geboren wurde sie 1938 in Breslau, in die Theaterwelt trat sie an der Seite ihres Vaters, der 1950 in einem Bonner Hinterhof das Contra-Kreis-Theater eröffnete, das in der Szene der Privattheater bis heute eine ebenso wichtige wie eigenständig profilierte Rolle spielt.
Schon als Teenager stand Katinka Hoffmann in Bonn auf Vaters Bühne, und bald nicht nur dort. Als 18-Jährige hatte sie bereits Engagements an mehreren Häusern, wenige Jahre später startete sie ihre Fernsehkarriere. Damals spielte das öffentliche Fernsehen noch eine weitaus dominantere Rolle als heute, es war die Zeit der großen mehrteiligen Serien, die buchstäblich die Straßen leerfegten, weil Fernsehdeutschland an der Mattscheibe klebte. Dort sahen sie 1966 Katinka Hoffmann als Sprechstundenhilfe Joyce Dean an der Seite von Ruth Maria Kubitschek, Günther Stoll und Siegfried Wischnewksi in dem Francis-Durbridge-Dreiteiler „Melissa“. 1973 avancierte sie in der Serie „Frühbesprechung“ zu Westdeutschlands erster weiblicher Fernsehkommissarin.
Da hatte sich allerdings bereits ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben ereignet: Als ihr Vater 1965 sehr unerwartet verstarb, übernahm sie beherzt die künstlerische Leitung des Bonner Contra-Kreis-Theaters und war mit 28 Jahren Deutschlands jüngste Theaterdirektorin sowie eine der wenigen Frauen auf so einem Chefposten überhaupt. Ein Jahr später zog das Haus in seine heutigen Räume: in ein modernes, aber intimes Kellertheater mit kreisrund die Bühne umschließenden Zuschauerreihen an der Universität. Hier spielte Katinka Hoffmann nicht nur Boulevard, sondern auch viel zeitgenössische Dramatik, holte prominente Schauspieler und Regisseure an ihr Haus, inszenierte selbst und stand in über 70 Produktionen als Schauspielerin auf der Bühne. Zuletzt war sie dort 2004 in „Herzlich willkommen“ zu sehen.
Seit 1980 teilte sie sich die Theaterleitung mit ihrem Lebenspartner Horst Johanning, der lange Vorsitzender der Privattheatergruppe im Deutschen Bühnenverein und Vizepräsident des Verbandes war. Ich selber hatte nicht das Glück, Katinka Hoffmann noch persönlich kennenzulernen. Aber mit Horst Johanning verbindet mich eine langjährige professionelle und auch persönliche Beziehung. Und so habe ich viel über sie erzählen hören, wobei ein Merkmal sich wie ein Leitmotiv durch alle Berichte zog: Sie muss eine außerordentlich warmherzige, offene und liebenswürdige Künstlerin gewesen sein. Jetzt ist sie nach schwerer Krankheit im Alter 83 Jahren verstorben. Das Contra-Kreis-Theater verabschiedet sie mit den Worten: „Ihr Humor, ihre Spielfreude, ihre Herzlichkeit und Direktheit auf und hinter der Bühne werden unvergessen bleiben.“
Aktuelles: Neue Intendantin für Aalto-Musiktheater und Essener Philharmoniker: Merle Fahrholz
Von Detlef Brandenburg am 02.09.2021
• Foto: Saad Hamza
Das Bild zeigt: Merle Fahrholz, designierte Essener Opernintendantin
Das ist mal eine Personalie, die neugierig macht: Merle Fahrholz, zur Zeit stellvertretende Intendantin und Chefdramaturgin an der Oper Dortmund, wird Intendantin für das Aalto-Musiktheater und die Essener Philharmoniker. Schon im kommenden Jahr soll sie die Nachfolge von Hein Mulders antreten, der an die Oper Köln geht. Ihr Vertrag läuft dann über fünf Spielzeiten bis Sommer 2027.
In Dortmund, unter dem Intendanten Heribert Germeshausen, hat die promovierte Musikwissenschaftlerin eines der innovativsten und originellsten Opernprogramme der Republik mitverantwortet, das von großer Neugier auf wenig bekannte Opern, zeitgenössisches Musiktheater und unkonventionelle Regisseure geprägt ist. Zuvor arbeitete sie als Dramaturgin für Musiktheater am Nationaltheater Mannheim, am Theater Biel Solothurn (Schweiz) sowie (ebenfalls unter Heribert Germeshausen) am Theater und Orchester Heidelberg. Als Produktionsdramaturgin betreute sie sowohl Repertoirewerke wie auch selten gespielte Opern, Uraufführungen und Stückentwicklungen, so etwa die Uraufführungen von Bernhard Langs Opern „Der Golem“ (2016) und „Der Hetzer“ (2021), die musiktheatrale Performance „Flowers of Carnage“ von Annesley Black (2015) oder die Jugendoper „Persona“ von Thierry Tidrow (2021). Sie arbeitete mit Regisseuren wie Peter Konwitschny, Lorenzo Fioroni, Christof Nel, Tatjana Gürbaca, Roland Schwab, Dietrich Hilsdorf, Martin G. Berger und Wolfram Mehring zusammen.
Das verspricht für Essen eine spannende Opernzukunft und eine durchaus interessante Konkurrenz zu Dortmund. Für die Saison 2023/2024 verspricht Merle Fahrholz einen „Komponistinnen-Schwerpunkt“ auf der Opernbühne und in den Konzerten, generell will sie Arbeiten von komponierenden Frauen regelmäßig in den Fokus stellen. Tja – da müssen sie sich in Dortmund jetzt wohl um die Männer kümmern.
Aktuelles: Ein neues Verlagshaus für Theater heute & Co
Von Detlef Brandenburg am 01.09.2021
• Foto: Detlef Brandenburg
Das Bild zeigt: Die Theaterzeitschriften des „Theaterverlags“ bekommen eine neue Medienheimat.
Gerade erreichen uns Nachrichten über eine große Verschiebung im Portfolio der deutschen Theaterzeitschriften. Der Berliner Theaterverlag, der die Zeitschriften Theater heute,Opernwelt, tanz und Bühnentechnische Rundschau sowie das digitale TheaterMagazin herausbringt, wird ab heute (1. September 2021) bei der dfv Mediengruppe eine neue verlegerische Heimat finden. Das meldet die bei der dfv Mediengruppe erscheinende Zeitschrift Horizont. Zeitung für Marketing, Werbung und Medien auf ihrer Online-Seite (hier der Artikel).
Bisheriger Eigentümer von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin Verlag GmbH war seit 2012 der renommierte Theaterkritiker und Autor Michael Merschmeier, der dem Verlag zuvor bereits seit 1981 als Redakteur und seit 1995 auch als verlegerischer Geschäftsführer verbunden war. Bei der dfv Mediengruppe wird nun Torsten Kutschke als Geschäftsführender Gesellschafter den Theaterverlag leiten, laut Horizonte „langjähriger Abonnent von Theater heute und bekennender Theatergänger“. Kutschke ist Gesamtverlagsleiter der juristischen Medien und der Technischen Fachzeitschriften bei dfv. Sönke Reimers, einer der beiden Sprecher der Geschäftsführung, wird weiterer Geschäftsführer der Gesellschaft. Die Übernahme erfolgt rückwirkend zum 1. Januar 2021.
Diese Veränderungen bei dem in der Theaterszene hoch angesehenen Verlag sind ein ziemlich überraschender Coup. Denn man hätte die in Frankfurt angesiedelte dfv Mediengruppe bislang nicht unbedingt mit Theaterzeitschriften in Verbindung gebracht. Möglicherweise hat hier tatsächlich Kutschkes persönliche Theaterleidenschaft eine Rolle gespielt. Und das muss ja für eine Zusammenarbeit keineswegs eine schlechte Basis sein, solange dahinter ein wirkliches Engagement für die Zeitschriften steht. Kutschke jedenfalls gibt in Horizonte zu Protokoll, er sei ist als neuer geschäftsführender Gesellschafter davon überzeugt, „dass die Darstellenden Künste auch in Zukunft die Kultur im deutschsprachigen Raum entscheidend mitprägen und die Zeitschriften von Der Theaterverlag dabei weiterhin eine herausragende Rolle spielen werden.“ Außerdem sollen alle acht festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen werden, der Verlag bleibe in Berlin. Michael Merschmeier soll dem Theaterverlag für eine Übergangszeit als Berater verbunden bleiben. All das spricht zunächst mal für ein Bemühen um Erhaltung und Kontinuität.
Ob sich daraus eine auch mittelfristig tragfähige Perspektive entwickeln wird, ist derzeit schwer vorherzusagen. Die dfv Mediengruppe gehört mit über 80 Fachtiteln, zahlreichen Veranstaltungen, Digitalangeboten und Fachbüchern für elf Wirtschaftsbereiche zu den bedeutendsten konzernunabhängigen Medienhäusern Europas. Ihre Kompetenzen lagen bisher aber vor allem im Bereich Wirtschaft, Dienstleistungen, Finanzen, Recht und Steuern. Wie sich da ein Theaterverlag synergetisch einfügen kann, ist nicht auf Anhieb zu erkennen. Horizonte sieht „Anknüpfungspunkte und Querschnittsthemen zu nahezu allen Wirtschaftsbereichen, die der Fachverlag bedient“ und nennt unter anderem die Markenbildung von Städten, wo Kultur eine wichtige Rolle spiele, um Einwohner, Touristen und Unternehmen für sich zu gewinnen. Darüber hinaus werden „modernes Medienmarketing, die Diskussion um Urheberrechte im digitalen Zeitalter, Textilien und Design von Bühnenkostümen“ als gemeinsam Querschnittsthemen genannt. Das klingt teils nach verschmockter Standortfaktor-Prosa, teils nach einem merkantilistisch verkürzten Theaterverständnis, wie man es mit dem einst von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter gegründeten Verlag und seinen Zeitschriften nur schwer in Verbindung bringt. Aber die Zeiten ändern sich und die Zeitschriften mit ihnen. Warten wir’s ab, ob zum Besseren oder Schlechteren.
Aktuelles: Krisentagebuch 35 – Durchwurschteln als Dauerstrategie?
Von Detlef Brandenburg am 31.08.2021
• Foto: Olaf Malzahn
Das Bild zeigt: Szene aus Finn-Ole Heinrichs Stück „Frerk, Du Zwerg!“, das die Regisseurin Katrin Ötting zusammen mit Kindern und Jugendlichen des Spielclubs am Theater Lübeck am 15. Oktober für Kinder ab 6 Jahren herausbringt. Gerade unter Kindern und Jugendlichen ist die Inzidenz derzeit besonders hoch.
Stimmt es eigentlich, dass ein wesentlicher Faktor zum Überleben einer Zivilisation ihre Lern- und Anpassungsfähigkeit ist? Hoffentlich nicht! Denn sonst sähe es um die Zukunft unserer Bundesrepublik, die sich so gern als Vorzeigestaat im mehr oder minder geeinten Europa sieht, ziemlich düster aus. Wir trudeln gerade in den zweiten Epidemie-Herbst ante Virus natum hinein und benehmen uns wie im Frühling der Pandemie. Erneut sieht sich der geneigte Kunde von Geschäften, Freizeiteinrichtungen oder Urlaubsangeboten einem bizarren Wirrwarr unterschiedlicher Regeln gegenüber, die noch nicht einmal in ein und derselben Stadt einheitlich, geschweige denn durchschaubar sind. 2G oder 3G? Kommt drauf an, wo man wohnt. Schachbrettmuster oder volle Auslastung im Theater? Kommt drauf an, wo man hingeht. Testpflicht für Geimpfte? Jahaa – aber welcher Test denn nun eigentlich: der ziemlich unsichere Schnelltest oder der teurere und langsamere, aber wesentlich sicherere PCR-Test?
Dass in dieser eigentlich doch wirklich hoffnungsvollen Situation, wo uns die Impfstoffe eine Zukunft einer in Grenzen beherrschbaren Pandemie und einer Öffnung unter vernünftigen Parametern verheißen – dass also in diesem zweiten Herbst nach anderthalb Jahren Pandemie-Erfahrung dieselbe schlampige politische Corona-Wurschtelei weitergeht, das trägt schon Züge von Staatsversagen (und liegt damit auf einer Linie mit dem Afghanistan-Desaster). Das kann man feststellen, darüber kann man jammern. Aber da nun mal weit und breit kein Krisenmanager von der Klarsicht, Tatkraft und Verantwortungsbereitschaft etwa eines Helmut Schmidt oder Hans-Dietrich Genscher in Sicht ist, wird Jammern nicht helfen. Besser wäre es, in dem Rahmen, in dem man das jeweils kann, sich selbst zu helfen. Doch auch gemessen an dieser bescheidenen Zielvorstellung machen die Theater derzeit nicht gerade eine blendende Figur. Und das ist schade. Denn sie haben gegenüber Corona doch schon mehrfach glänzende Haltungsnoten erreicht.
Schon sehr bald nach Ausbruch der Krise haben die Bühnen auf eigene Faust oder auch gemeinsam mit den Kulturpolitikern und den Behörden ihrer Stadt Hygiene-Konzepte entwickelt, die selbst die skeptischen Virologen überzeugt haben. Und der (wenn auch kurze) Spielbetrieb im Herbst 2020 oder die Erfahrungen der letztjährigen Salzburger Festspiele haben gezeigt, dass mit diesen Konzepten das Infektionsrisiko beherrschbar ist. Heute, ein Jahr später, wäre es sogar noch viel besser beherrschbar. Denn nun hilft auch die Impfquote der Kultur. Dennoch: Risiko und Unsicherheit sind noch immer groß. Die Herdenimmunität ist weit entfernt. Immer besser wird erkennbar, dass die Delta-Variante eben doch eine Reihe von „Durchbruchs-Infektionen“ bei doppelt Geimpften zu verursachen vermag. Wie erfolgreich sich womöglich andere, neue Mutationen am Impfschutz vorbeimogeln werden, wissen wir noch lange nicht. Was wir aber sehr wohl wissen: Eine zu große Lockerung der Infektionshygiene bei einer nur teilgeimpften Bevölkerung ist das ideale Biotop für solche Mutationen.
Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu verstehen, dass einige Theater die wirklich großartigen Hygienekonzepte, die sie gemeinsam mit anderen ausgetüftelt haben, gerade wieder (zumindest teilweise) über Bord werfen. Und das ist keineswegs eine rein infektionshygienische Frage, sondern auch eine der Fürsorge gegenüber dem Publikum. Denn auch viele der in ihrer Mehrheit nicht eben juvenilen Theaterbesucher dürften angesichts dieser Lage verunsichert sein. Wenn es gar beim Spielbetrieb ohne Abstandsregeln zu neuen Infektionen in Zuschauerraum käme, würde sich die Angst vorm vollen Theater sogar noch verstärken. Und selbst wenn man solche Horrorszenarien für zu weit hergeholt hält – allein schon die Uneinheitlichkeit der Hygieneregeln im selben Bundesland, teils gar in derselben Stadt dürfte geeignet sein, die Menschen zu irritieren.
Allerdings – auch das gehört zur Wahrheit: Die Theater haben zwar de jure das Hausrecht und können also Zugangsbeschränkungen erlassen. Ein Haus aber, das beispielsweise an der Schachbrett-Ordnung im Parkett festhalten wollte, bräuchte dazu auch die Rückendeckung des Kulturdezernenten und des Kämmerers. Denn spätestens wenn es um die Erstattung der Einnahme-Ausfälle angeht, ist es auf deren Solidarität angewiesen. Noch heikler ist die Situation bei den Privattheatern, die in ganz anderer Weise als die Konkurrenz in öffentlicher Trägerschaft auf Einnahmen aus dem Kartenverkauf angewiesen sind. Und was ist eigentlich mit dem Kinder- und Jugendtheater? Hier, wo es noch kaum eine nennenswerte Impfquote gibt, liegen die Inzidenzzahlen in einigen Städten bereits im hohen dreistelligen Bereich, in NRW zwischen 200 und 500. Ist Sitzen ohne Abstand da überhaupt zu verantworten?
Allzu oft wurden diese und andere Probleme (zum Beispiel die Frage: Wie probt man, wenn ein oder zwei im Ensemble die Impfung verweigern?) von der „Es geht wieder los!“-Freude der Häuser überschattet. Sie müssen aber diskutiert werden, mit Politikern, Virologen und Theaterfachleuten – mit dem Ziel, möglichst einheitliche Regeln für den Betrieb der Theater vor und hinter der Bühne und die dazu nötige Finanzierung zu erreichen. Genauer: Sie hätten schon längst diskutiert werden müssen! Aber wenn man dann mal über den eigenen Tellerrand auf die völlige Orientierungslosigkeit schaut, mit der die Politik die Schüler ins neue Schuljahr starten ließ, dann wundert einen in der Hinsicht überhaupt nichts mehr.
Apropos: Diskutiert werden sollte auch mit dem Publikum. Warum nicht die Zuschauer befragen, ob sie sich wieder sicher im Theater fühlen? Was sie von Theatern zur Wahrung ihrer Unversehrtheit erwarten? Oder die Besucher einfach mal im Haus ansprechen, so wie das etliche Intendanten in den letzten Wochen schon auf sehr wohltuende und auch durchaus erfolgreiche Weise tatsächlich gemacht haben. Die Verlautbarungen vieler Theater zum Start nach Corona waren vielerorts auch getragen von der Erwartung, dass die Zuschauer reihum Purzelbäume schlagen vor lauter Öffnungs-Freude. Stimmt das eigentlich? Stürmen sie die Theater? Oder fühlen sich etliche von ihnen inzwischen mit Netflix daheim auf dem Sofa auch ganz wohl? Und vor allem viel sicherer? Wie auch die Gesellschaft insgesamt, so ist das postpandemische Publikum ein Stück weit ein unbekanntes Wesen. Jetzt müssen sich die Theater bemühen, es neu kennen zu lernen – und Sorge tragen, dass es dabei keine unangenehmen Überraschungen gibt.
Nachruf: Zum Tod von Siegfried Matthus
Von Detlef Brandenburg am 30.08.2021
• Foto: Uwe Hauth
Das Bild zeigt: Der Komponist Siegfried Matthus starb im Alter von 87 Jahren
In der weiland Deutschen Demokratischen Republik war Siegfried Matthus eine der prägenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musikszene. Ja, es war maßgeblich ihm zu verdanken, dass eine solche Szene überhaupt entstehen und Öffentlichkeitswirkung entfalten konnte. Dazu trug Matthus nicht nur als Komponist, sondern auch als Lobbyist, Funktionär und Strippenzieher bei. In dieser Doppelbegabung war er seinem westlichen Kollegen Peter Ruzicka nicht ganz unähnlich, nur wesentlich extrovertierter. So wurde Matthus zu einem der bekanntesten und meistgespielten Komponisten aus der DDR, dessen Werke auch international Anerkennung fanden. Der heutigen Gegenwart ist er auch als Gründer und langjähriger Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg präsent. Über mehr als zwei Jahrzehnte hat er das Opernfestival geprägt.
Er stammte, geboren am 13. April 1934 in Mallenuppen (Ostpreußen), aus einfachen Verhältnissen. Die Eltern waren Bauern, die Mutter verdiente mit Schneidern etwas dazu, der Vater mit Violinspiel auf dörflichen Festen. Im Oktober 1944 floh die Familie vor der Roten Armee und fanden schließlich ein Unterkommen im Landkreis Ruppin. Der Vater lehrte Siegfried das Geigen- und Trompetenspiel. Später, an der Oberschule in Rheinsberg, übernahm der schon in der zwölften Klasse die Leitung des Schulchors, für den er auch komponierte. Von 1952 bis 1958 studierte Matthus an der Deutschen Hochschule für Musik in Ost-Berlin Chor- und Ensembleleitung, seit 1956 auch Komposition. Von 1958 bis 1960 war er Meisterschüler von Hanns Eisler und danach bis 1964 freischaffender Komponist.
Er war in jeder Hinsicht extrem umtriebig und fleißig. Sein Œvre umfasst 14 Opern, über 60 große Orchesterwerke, Kenner beziffern sein Schaffen auf über 600 Werke. 1983/84 entstand nach einer Erzählung von Rainer Maria Rilke seine heute wohl bekannteste Oper: „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“. In der Begründung, mit der ihm 1998 der Preis des Verbandes der deutschen Kritiker verliehen wurde, klingt der Grundzug dieses reichen Schaffens an: „Siegfried Matthus gelingt das Kunststück, verbreiteten Hörgewohnheiten entgegenzukommen, ohne deshalb ins Kompromiss- oder Klischeehafte zu verfallen“.
Dieses „Entgegenkommen“ prägte Matthus in mancher Hinsicht. Er wollte die Menschen mit seiner Musik erreichen und er brachte sich ein: in die Institutionen, die Gremien, die wichtigen Zirkel. Walter Felsenstein holte ihn 1964 an die Berliner Komische Oper, wo er zusammen mit Götz Friedrich und Harry Kupfer lange als Berater und Dramaturg für zeitgenössische Musik und als Komponist wirkte. 1972 übernahm er eine Meisterklasse an der Akademie der Künste der DDR. Mit der Reihe Kammermusik im Gespräch beförderte er von 1966 bis 1988 das Verständnis moderner klassischer Musik in der DDR. 1985 wurde er zum Professor ernannt, 1969 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost), wo er ab 1972 eine Meisterklasse leitete und Sekretär der Sektion Musik war. 1976 wurde er zudem Mitglied der Akademie der Künste Berlin (West) sowie 1978 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Auch im vereinten Deutschland wusste er sich zu etablieren. 1990 gründete er im brandenburgischen Rheinsberg das Internationale Festival junger Opernsänger Kammeroper Schloss Rheinsberg, das er bis 2014 leitete. Im August 1991 startetet die Kammeroper vor der Kulisse des damals noch als Sanatorium genutzten Schlosses mit einer Aufführung seiner Rilke-Oper, 1999 konnte er mit der Uraufführung seines eigens für diesen Anlass geschriebenen „Kronprinz Friedrich“ das wiedererbaute Schlosstheater eröffnen. Unzählige Nachwuchssänger kommen jährlich zu den Vorsingen, Konzerten, Meisterkursen und Opernaufführungen – Matthus vermerkte stolz, dass es kaum eine renommierte Bühne weltweit gebe, an der nicht schon ehemalige Teilnehmer seiner Kammeroper aufgetreten seien. Ihm schwebte der Traum einer Wiederbelebung des einstigen „Musenhofes“ der Preußenprinzen Friedrich und Heinrich vor. Beobachter meinten in seinem Führungsstil aber auch Züge eines Sonnenkönigs zu erkennen. Wozu passte, dass er 2014 seinen Sohn Frank zum Nachfolger bestimmte. Als die Politik einige Jahre später den Intendantenposten mit Georg Quander besetzte, wandte sich Matthus im Zorn vom Festival ab.
Nun hat er seinen Frieden gefunden. Am 27. August ist Siegfried Matthus laut seiner Familie nach schwerer Krankheit entschlafen. Er wurde 87 Jahre alt.
Stream-Planer: Wer streamt was?
Von Jens Fischer am 20.08.2021
• Foto: Unsplash
Das Bild zeigt: Theater gucken vom Sofa – mit unserer Streaming-Liste
Welche Streaming-Angebote im deutschsprachigen Theater gibt es? Wie sind die Kosten und Anmeldeoptionen? Nutzen Sie unsere täglich aktualisierte Liste und schauen Sie Theater daheim! Die Liste ist, ausgehend vom aktuellen Datum, nach unten in Richtung Zukunft sortiert.
Bis 25.9.2021 / ganztags / Salzburger Festspiele:Giuseppe Verdi: La Traviata
(Video-on-Demand, kostenfrei) Die junge Violetta führt als Edelkurtisane ein flottes Leben in Paris. Doch sie ist krank und weiß, dass sie bald sterben wird - da verliebt sie sich zum ersten Mal. Ein bekannter, tragischer Stoff, den Willy Decker inszeniert: Die Aufführung bei den Salzburger Festspielen 2005 machte Anna Netrebko und Rolando Villazon für einige Jahre zum Traumpaar der Oper. Dirigent: Carlo Rizzi, Orchester: Wiener Philharmoniker.
Bis 16.10.2021 / ganztags / Salzburger Festspiele: Alban Berg: Wozzeck
(Video-on-Demand, kostenfrei) In seinem ersten Jahr als Intendant der Salzburger Festspiele konnte Markus Hinterhäuser 2017 William Kentridge und Matthias Goerne für eine neue „Wozzeck“-Produktion gewinnen. Neben Goerne überzeugte Asmik Grigorian in der Rolle der Marie. Die Wiener Philharmoniker musizierten unter der Leitung von Vladimir Jurowski.
Bis 31.10.2021 / ganztags / Theater Kiel: James Matthew Barrie:Peter Pan
(Stream-on-Demand, Tickets: 5 Euro) Die Ensemblemitglieder Patricia Windhab und Simon Burghart haben sich den mehr als 100 Jahre alten Roman vorgenommen, um die fantastische Geschichte von Peter Pan und Wendy in eigener Übersetzung und spezieller Form zu erzählen. Sie spielen zu zweit alle Rollen, produzieren alle Geräusche in schillernden Klangfarben selbst und haben Liedtexte geschrieben, die die Handlung umrahmen und vorantreiben.
Bis 13.11.2021 / Staatstheater Braunschweig: Antonín Dvořák: Rusalka
(Video-Stream, kostenfrei) Die Bühnenpremiere wurde im November vom zweiten Lockdown gestoppt. Dirk Schmeding (Regie), Srba Dinić (Musikalische Leitung) und ihr Team aber konnten die Probenarbeit mit dem Sängerensemble und einer aufgrund der Hygienevorschriften reduzierten Orchesterbesetzung zu Ende führen und aufzeichnen. Die Titelpartie wird von Julie Adams verkörpert, die eigentlich für die New Yorker Met gebucht war, aber durch den Komplett-Abbruch der dortigen Spielzeit für Braunschweig frei geworden ist.
Bis auf Weiteres / Staatstheater Braunschweig: Digitale Bühne: Fenster zum Freien Theater: Theater Grand Guignol: Simon Paul Schneider: Das Gewicht der Steine
(Video-on-Demand, Preis selbst wählbar) Das Theater Grand Guignol hat es sich zur Aufgabe gemacht von Menschen zu erzählen, deren Lebensgeschichten aus dem normativen Rahmen fallen. Die archetypischen Figuren des Kasperletheaters werden genutzt, um die wahren Identitäten der Protagonisten zu verschleiern und somit einen unverstellten Blick zu ermöglichen. Das neue Stück „Das Gewicht der Steine“, die Uraufführung sollte am 2. April 2021 im Braunschweiger Lindenhof stattfinden, beschäftigt sich mit der deutschen Vergangenheit. Text, Regie und Bühne Simon Paul Schneider.
Bis auf Weiteres / ganztags / Landestheater Niederbayern:Johann Wolfgang von Goethe: Urfaust
(Video-on-Demand, kostenfrei) Anders als in „Faust. Der Tragödie erster Teil“ ist diese Version ganz vom Zeitalter des Sturm und Drang geprägt: in der Sprache ungeschliffener und kräftiger, die Handlung mehr auf die Liebesgeschichte eines jungen Intellektuellen fokussiert und weniger auf das metaphysische Menschheitsdrama zwischen Himmel und Hölle. Inszenierung: Peter Oberdorf.
Bis auf Weiteres / ganztags / Staatsoper Hannover:Mission Lauschangriff
(Video-Online-Spiel, kostenfrei) Mit dem interaktiven Audio- und Video-integrierten Brett- und Rollenspiel bietet der Club XS seinem Publikum ein hybrides Spielkonzept, mit dem es selbst am Schaffensprozess eines Musiktheaterstückes teilhaben kann. 16 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren lassen durch ihre Handlungsaufforderungen das heimische Wohnzimmer zur gemeinschaftlichen Live-Bühne werden. Dafür bricht das Publikum in ein Labyrinth auf, um sich selbst in diversen Ausdrucksformen des Musiktheaters zu erproben und dadurch schließlich die geraubte Musik aus den Klauen eines Drachens zu befreien.er Hannover, Holland Festival und Dutch National Opera.
Bis 17.10.2021 / ganztags / Deutsche Oper am Rhein:Boris Blacher: Romeo und Julia
(Video-on-Demand, kostenfrei) Unter der musikalischen Leitung von Christoph Stöcker wurde die Kammeroper aus sechs Kameraperspektiven im Theater Duisburg aufgezeichnet. Regisseur ist Manuel Schmitt. In deutscher Sprache, mit englischen, französischen und deutschen Untertiteln und zusätzlich automatischer Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.
Bis auf Weiteres / ganztags / Landestheater Niederbayern:Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte
(Video-on-Demand, kostenfrei) Musikalische Leitung: Basil H. E. Coleman, Inszenierung: Christiane Piegger.
Bis 31.10.2021 / ganztags / Theater Kiel:Patricia Windhab und Sebastian Kreuzer: Peter Pan
(Video-on-Demand, Tickets: 5 Euro) Die Ensemblemitglieder Patricia Windhab und Simon Burghart haben sich den mehr als 100 Jahre alten Roman vorgenommen, um die fantastische Geschichte von Peter Pan und Wendy in eigener Übersetzung und spezieller Form zu erzählen. Sie spielen zu zweit alle Rollen, produzieren alle Geräusche in schillernden Klangfarben selbst und haben Liedtexte geschrieben, die die Handlung umrahmen und vorantreiben.
Bis 5.11.2021 / ganztags / Salzburger Festspiele 2021:Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni
(Video-on-Demand, kostenfrei) Keine Moral, kein Gesetz - in Mozarts Oper stellt ein Mann sein Lustprinzip über alles. Arte zeigt eine Neuinszenierung von den Salzburger Festspielen – inszeniert von dem italienischen Theatermacher Romeo Castellucci und musikalisch umgesetzt vom Dirigenten Teodor Currentzis.
Bis 31.12.2021 / ganztags / Theater Kiel: Christian Himmelbauer: Wolfgang Wunderkind
(Video-Stream, Tickets: 6 Euro) Eine musikalische Reise durch eine besondere Kindheit. Autor und Regisseur Christian Himmelbauer stellt einen Jungen vor, der früh ein Star war und später einer der größten Komponisten aller Zeiten wurde: Wolfgang Amadeus Mozart (Simon Burghart). Er musste früh lernen, mit seinem großen Talent zu leben – trotzdem hat er sich sein inneres Kind immer bewahrt.
Bis auf Weiteres / ganztags / Theater Osnabrück: Rebekka Kricheldorf: Das Waldhaus
(Video-on-Demand, Tickets: 9 Euro) Die Genres des Psychothrillers und des Horrors waren seit den frühen Siebziger-Jahren des 20. Jahrhunderts Spiegel- und Zerrbild gesellschaftlicher (Fehl-)Entwicklungen. In diesem Geiste schreibt Rebekka Kricheldorf in ihrem Auftragswerk für das Theater Osnabrück einen Thriller über Verschwörungstheorien und eine dunkle Parallelgesellschaft – als Abrechnung mit dem gefährlichen Gedankengut des germanisch-braunen Sumpfes.
Bis auf Weiteres / ganztags / Junges Staatstheater Braunschweig: Iris Kleinschmidt und Mike Garling: Isola
(Video-Stream, kostenfrei) Während des Lockdowns haben sich zwölf Jugendliche des Braunschweiger Kinder- und Jugendchors Belcanto digital getroffen, Texte geschrieben und eine Playlist dieser Zeit erstellt. Daraus entstanden ist eine Revue, die als Videokonferenz ihre Premiere feiern wird. Ein Projekt von Iris Kleinschmidt und Mike Garling.
Bis auf Weiteres / ganztags / Staatstheater Nürnberg:Goyo Montero: Blitirí
(Video-Stream, kostenfrei) In enger Zusammenarbeit mit dem Videografen Stefan Kleeberger hat der Ballettdirektor zu „Blitirí (UA)“ eine künstlerisch für sich stehende Filmfassung erarbeitet. Die Choreografie hat einen starken Bezug zur Musik: Owen Belton stellt klangvolle Verbindungen zum Gesamtkonzept der Choreografie sowie eine musikalische Brücke zu den weiteren Musiktiteln her: Mozarts G-Dur-Variationen über „unser dummer pöbel meint“ in der Interpretation des Pianisten Friedrich Gulda, Bobby McFerrins Interpretation des Beatle-Songs „Blackbird‟ sowie PJ Harveys Punkrock-Ballade „Rid of Me“.
Bis auf Weiteres / ganztags / Landestheater Niederbayern: Johann Strauss: Die Fledermaus
(Video-on-Demand, kostenfrei) Das Landestheater Niederbayern präsentiert die Operette in Wienerischer Kaffeehausatmosphäre in einer Fassung für Klavier und Streichquartett. Musikalische Leitung: Basil H. E. Coleman. Inszenierung: Stefan Tilch.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Komische Oper Berlin:Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni
(Video-on-Demand, Ticket: 10 Euro) Zdeněk Košler dirigiert Mozarts Meisterwerk. Regie: Walter Felsenstein. Er wagte sich erst spät an diese „Oper aller Opern“, die nach dem technischen Umbau der Komischen Oper zur Wiedereröffnung 1966 herauskam.
Bis auf Weiteres / ganztags / Theater Kiel:Nähe und Ferne
(Video-on-Demand, kostenfrei) Gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wurde das coronabedingt ausgefallene 3. Philharmonische Konzert der Spielzeit 2020/21 in einen Konzertfilm verwandelt, der neben Werken von Ludwig van Beethoven, Jessie Montgomery, Max Bruch und Tōru Takemitsu reichlich Einblicke in den besonderen Entstehungsprozess des Konzertprogrammes bietet.
Bis auf Weiteres / ganztags / Staatsoper Hannover: Club Tanz:Bettina Stieler, Louise Dunger, Philipp Contag-Lada: Zwischen den Zeilen
(Interaktives Video, kostenfrei) Die Grundidee entstand beim Lesen von Mary E. Garners „Das Buch der gelöschten Wörter“: Aus einer geheimen Zentrale kann man in magische Buchwelten aller existierenden Bücher springen, dort lassen die Jugendlichen eigene choreografische Geschichten entstehen oder tanzen in der beschriebenen Natur des Buches. In der digitalen Umsetzung stellt sich dem Publikum die Frage, durch welche Tür es gemeinsam mit den Jugendlichen in welche Tanzwelt springen will, um zu erleben, was sich dahinter verbirgt.
Bis auf Weiteres / ganztags / Landestheater Niederbayern: Giacomo Puccini: Madama Butterfly
(Video-on-Demand, kostenfrei) Mit großem Einfühlungsvermögen zeichnet der Komponist das Portrait einer bedingungslos liebenden Frau zwischen Traum und Sehnsucht, Hoffnung und Enttäuschung, Liebe und Verzweiflung. Musikalische Leitung: Basil H. E. Coleman, Inszenierung & Choreografie: Jonathan Lunn & Amir Hosseinpour.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Komische Oper Berlin:Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro
(Video-on-Demand, Ticket: 10 Euro) Regie: Walter Felsenstein. Nachdem er für die Berliner Inszenierung von 1950 die deutsche Textfassung gründlich revidiert hatte, legte er der Neueinstudierung von 1975 eine Neuübersetzung zugrunde. Das szenische Resultat feierte am 26. Februar 1975 Premiere und wurde vom Feuilleton über die Grenzen der DDR hinaus begeistert aufgenommen. Im Juli 1976 fand die Aufzeichnung der Inszenierung statt. Dieses einzigartige Filmdokument wurde auf Initiative der Walter Felsenstein Erbengemeinschaft aufwendig restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Bis auf Weiteres / ganztags / Horns Erben Leipzig: Theater Adolf Südknecht: Adolf Südknecht macht rüber!
(Video-on-Demand, kostenfrei) Das Theater stellt vor dem Hintergrund der heraufziehenden deutsch-deutschen Teilung seine Titelfigur vor die Zerreißprobe: Flucht versus Zukunftslosigkeit. Die Theaterserie wird in Leipzig seit 2012 gespielt. Die neue Episode wurde live von einem Dutzend Kameras aufgezeichnet – in kleiner Besetzung, ohne Zuschauer und in einem Rutsch durchimprovisiert.
Bis auf Weiteres / ganztags / Staatsoper Hannover:Soft Valkyrie – nach Richard Wagner
(Podcast, kostenfrei) Der Komponist und Spieledesigner David Kanaga hat Wagners berühmte Oper in einen zeitgenössischen Podcast verwandelt. Die Besetzung führt internationale Stars unterschiedlicher Genres zusammen. Als Siegmund ist der ghanaische Rapper und Produzent Bryan the Mensah zu hören. Ihm zur Seite steht als Sieglinde Hailey Clark, Sopranistin an der Staatsoper Hannover. Hunding wird von Attila Csihar gesungen, der vor allem aus seiner musikalischen Arbeit mit der Black-Metal-Band Mayhem bekannt ist. Der niederländische Bariton Mattijs van de Woerd, die amerikanische Sopranistin Nadine Secunde und Sopranistin Claron McFadden sind als Wotan, Fricka und Brünnhilde zu erleben. Als Erzähler führt Stephen Fry durch den Podcast. Eine Koproduktion von Staatsoper Hannover, Holland Festival und Dutch National Opera.
Bis auf Weiteres / ganztags / Nationaltheater Mannheim: Jean-Philippe Rameau: Hippolyte et Aricie
(Video-on-Demand, kostenfrei) Als Vorlage für sein Erstlingswerk hat Rameu die „Phädra“-Tragödie Racines gewählt. Regisseur Lorenzo Fioroni will dem revolutionären Genie Rameaus nachspüren und der Oper gemeinsam mit dem Barockspezialisten Bernhard Forck zur (nachgeholten) Mannheimer Erstaufführung verhelfen.
Bis auf Weiteres / ganztags / Münchner Volkstheater: Spielzeit
(Video-on-Demand, kostenfrei) Regiestudierende der HFF München haben eine Webserie entwickelt und diese mit dem Ensemble des Münchner Volkstheaters umgesetzt. Arthur Schnitzers „Reigen“, der vor fast 100 Jahren in Berlin uraufgeführt wurde, bildet die Vorlage für kurze, pointierte Szenen, die Einblicke in den Theateralltag und Probenwahnsinn in einer besonderen Zeit geben. Gezeigt wird der Versuch, Kunst zu produzieren während einer Pandemie.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Komische Oper Berlin: Leoš Janáček: Das schlaue Füchslein
(Video-on-Demand, Ticket: 10 Euro)
Regie: Walter Felsenstein. Felsensteins Inszenierung sollen die philosophischen Tiefen des Stücks durch eine dramaturgisch klar gegliederte Handlung verdeutlicht werden und die charakterlichen Parallelen zwischen Mensch und Tier zur Geltung kommen. Die Oper blieb in Deutschland zunächst erfolglos. Erst die neue Bearbeitung und Inszenierung von Felsenstein brachte mit insgesamt 218 Vorstellungen einen bahnbrechenden Erfolg. Die Premiere von „Das schlaue Füchslein“ war am 30. Mai 1956, die vorliegende Aufzeichnung fand 1965 im Studio Adlershof während der Umbauten der Komischen Oper statt.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Theater Krefeld Mönchengladbach: Beuys' Küche (Video-Stream, kostenfrei) Joseph Beuys kam 1921 in Krefeld zur Welt. Mit „Beuys‘ Küche” konzipiert Regisseur und Theatererforscher Sebastian Blasius einen Theaterabend, der sich mit Beuys‘ Wirken auseinandersetzt. Eine unterhaltsam-herausfordernde Inszenierung.
Bis auf Weiteres: / ganztags / Landestheater Niederbayern: Jean Genet: Die Zofen
(Video-on-Demand, kostenfrei) 2014 endete mit dem Auszug des Landestheaters Niederbayern nach über 170 Jahren die Theatertradition im Landshuter Bernlochner-Komplex, dem 1841 in Betrieb genommenen Theater. Nach fast sieben Jahren Abwesenheit eroberten die Künstler des Landestheaters nun das Gebäude für wenige Tage zurück und drehten darin die Aufzeichnung von Jean Genets modernem Klassiker. Inszenierung: Markus Bartl.
Bis auf Weiteres / ganztags / Utopia München:Cornel Franz und Markus Lehmann-Horn: Hotel Giesing – der Film
(Video-on-Demand, kostenfrei) Ein Singspiel, das im Herbst 2020 zweimal aufgeführt wurde. Doch dann kam der Lockdown und seine Schließungen. Deshalb ist der Film entstanden, ein bearbeiteter Mitschnitt der Uraufführung.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Schaubühne Lindenfels Leipzig: Brodsky ... Ferngespräche (Video-Stream, kostenfrei) Neun Gedichte von Joseph Brodsky, verfilmt in neun Kapiteln mit einer Performerin, einem Musiker und einem Schauspieler in der Regie von René Reinhardt und Thadeusz Tischbein. Die neun Folgen werden im Februar immer donnerstags im Wochenrhythmus veröffentlicht und bleiben online.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Theater Total Bochum: Der Weg riecht nach Frühling (Video on demand, kostenfrei) Eine Performance nach „Siddhartha” von Hermann Hesse.
Bis auf Weiteres / Theater Osnabrück: Dominique Schnizer: Tödliche Entscheidung (Video on demand, drei Folgen für 10€) Die Theater-Web-Serie setzt sich im Format Ermittlungsthriller mit Fragen der Schuld auseinander und hinterfragt die Beweggründe seiner Figuren. Während des Live-Streams der Premiere hatte das Publikum die Möglichkeit, per Abstimmung via Internet direkten Einfluss auf den Verlauf der Handlung zu nehmen.
Bis auf Weiteres / Theater Osnabrück: Wolfram Lotz: Einige Nachrichten an das All
(Video on demand, kostenfrei) Nach der Corona-bedingten Absage der Inszenierung schicken die Figuren des Stückes jetzt aus dem digitalen Universum ihre Nachrichten an das All. Ein Experiment im dezentralen Proben und Produzieren, vom künstlerischen Team selbst erdacht und realisiert – in der eigenen Wohnung, an öffentlichen Orten, in und um Osnabrück.
Bis auf Weiteres / Oper Halle:Mein Staat als Freund und Geliebte (Video-Stream, kostenfrei) Der Komponist und Aktionskünstler Johannes Kreidler schrieb diese Oper für Chor, Video, einen Schauspieler, einen dramatischen Tenor, Ballett, Orchester und Elektronik – angesichts des weltweit erstarkenden Nationalismus handelt es sich um eine Reflexion über Gemeinschaft, Massenbewegungen, Staatstheorien und Protest.
Bis auf Weiteres / Junge Ulmer Bühne: Johann Wolfgang von Goethe: Faust (Video on demand, Ticket: 5 Euro) Der Arbeitskreis Junges Theater Baden-Württemberg präsentiert mit der Website theater-stream.de die Möglichkeit, einige Angebote der regionalen Bühnen online zu schauen. Initiiert und organisiert von der Jungen Ulmer Bühne präsentieren 13 baden-württembergische Theater, vom Staatstheater bis zu Bühnen der freien Szene, Live-Streams und Theaterfilme on Demand, die exklusiv für diese Plattform produziert werden und vor allem für den Einsatz im schulischen Rahmen geeignet sein sollen. Gestartet wird mit der verfilmten „Faust“-Inszenierung von Sina Baajour – ab 15 Jahren.
Bis auf Weiteres / NDR Radiophilharmonie: Peer Gynt: Solveigs Lied
(Video-Stream, kostenfrei) Corinna Harfouch schlüpft in dieser Videoproduktion der NDR Radiophilharmonie in die Rolle der Solveig und stellt in ihrem Monolog die Perspektive einer liebenden Frau auf einen zerrütteten Charakter in den Mittelpunkt. Ihre melancholischen Betrachtungen sind eingebettet in die musikalischen Sätze der Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg. Gespielt von der NDR Radiophilharmonie unter Leitung von Hossein Pishkar.
Bis auf Weiteres / ganztags / Landestheater Detmold:E. T. A. Hoffmann: Der Sandmann
(Video-on-Demand, kostenfrei) Die Inszenierung der Geschichte des Studenten Nathanael, der als Erwachsener von verdrängt geglaubten Kindheitserinnerungen heimgesucht wird, hat Regisseur Benedikt Grubel im Grabbe-Haus herausgebracht, nun wurde sie auf der großen Bühne des Landestheaters verfilmt.
Bis auf Weiteres / Junge Ulmer Bühne:Odysseus – frei nach Homer (Video on demand, Ticket: 5 Euro) Mit einem Audi 80 ausgestattet und einem Schauspieler und einer Schauspielerin besetzt, drehte das Team um Regisseurin Sina Baajour für alle ab zehn Jahren ein Roadmovie im Theaterlager. Die Teppiche werden zum „Ort des Versprechens nach dem Paradiese“, das Hochregal zur Südspitze der Peleponnes und dem Platz der Winde, das blutige Kriegstreiben zum kurzen Figurentheater mit Playmobilfiguren …
Bis auf Weiteres / Theater Osnabrück:Julian Mahid Carly: Verbindungtsfehler
(Video-Stream, kostenfrei) „Verbindungsfehler" ist das Gewinnerstück des Osnabrücker Dramatikerpreises 2019 und kommt als Online-Premiere zur Uraufführung. Das Siegerstück wurde aus 133 anonymen Einsendungen ausgewählt. Ursprünglich im Emma-Theater geplant findet die Uraufführung nun im Digitalen Theater statt. Inszenierung: Rieke Süßkow. Kamera, Schnitt, Animation: Jan Riesenbeck.
Bis auf Weiteres / ganztägig / Dresden Frankfurt Dance Company: #Alterego / Ich bin deutscher Expressionismus (Videos in demand, kostenfrei) Eine Reihe von 15 künstlerischen Kurzvideos, die während des Lockdowns von den Tänzern selbst konzipiert und zu Hause umgesetzt wurden.
Bis 4.1.2022 / ganztags / Staatstheater Braunschweig: Toshio Hosokawa: Hanjo
(Video-Stream, kostenlos) Libretto von Toshio Hosokawa nach dem gleichnamigen Nō-Spiel von Yukio Mishima. In englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Operndirektorin und Regisseurin Isabel Ostermann will gemeinsam mit Ausstatter Stephan von Wedel mit Hilfe von filmischen Mitteln vor allem das Spannungsfeld der unterschiedlichen emotionalen Zustände und Wahrnehmungen in den Fokus rücken. Die Musikalische Leitung liegt bei Alexis Agrafiotis. Es singen Jelena Banković (Hanako), Milda Tubelytė (Jitsuko Honda) und Maximilian Krummen (Yoshio). Es spielt das Staatsorchester Braunschweig.
Bis 25.6.2022 / ganztags / Theater Hof: William Shakespeare: Der Sturm
(Video-on-Demand, kostenfrei) Das Schauspiel-Ensemble sitzt im Theater Hof fest, draußen tobt Corona. Es herrscht Spielverbot vor Publikum, aber die Schauspieler*innen können nicht anders: Sie müssen spielen, wenn auch nur für sich selbst. Das Stück ihrer Wahl: Shakespeares „Sturm“. Regisseur Reinhardt Friese sagt über seine Produktion: „Wir haben versucht, aus der Not des Spielverbots eine Tugend zu machen, haben mit dem Film neues künstlerisches Terrain erobert und uns mit ganz einfachen, ursprünglichen theatralen Mitteln gleichzeitig ein Stückchen weiter in den digitalen Raum vorgetastet. Der Idee von Ausstatterin Annette Mahlendorf folgend kommen wir mit einer leeren Bühne und einem Haufen Kostüme aus, die über die Jahre in unseren hauseigenen Werkstätten für andere Produktionen angefertigt wurden und nun erneut Einsatz finden.“
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Es beginnt eine Spielzeit im Hoffnungsmodus: Lassen sich all die Pläne in Schauspiel, Musiktheater und Tanz umsetzen? Unsere Saisonvorschau für 2021/22