Der ganz gegenwärtig gekleidete Nathanael des Henry Braun rennt gegen Türen an, schreit, wenn die Gespenster der Vergangenheit ihn heimsuchen, verliert sich im Betrachten der Puppe Olimpia, die Magdalena Flade als eine Art Sexobjekt mit blonder Perücke spielt. Miensopust entwickelt eine Spielweise, die für die psychischen Befindlichkeiten nach äußerlichen Zeichen sucht und geht am Ende gar, wenn Nathanael Clara vom Turm werfen will und schließlich dann, nachdem Coppelius wieder aufgetaucht ist, selbst springt, ganz in die Erzählung über. Angelina Berger spielt die Clara ständig lächelnd und macht so deutlich, dass sie Nathanael überhaupt nicht versteht. Andreas Laufer hat in blonder Perücke einen fast siegfriedhaften Siegmund zu spielen, der kumpelhaft seine „normale“ Überlegenheit ausspielt. Rupert Hausner brilliert in den drei Rollen als Coppelius, Coppola und Spalanzani. Christian Dähn hat aus dem Material romantischer Melodien eine sentimentalisch klingende Collage geschaffen, die das kleinbürgerliche Gegenbild zum Wahn zu Gehör bringt.
