Béjarts Spectacle autour du „Ring“ stellt ein klar gegliedertes, dramaturgisch geniales Konstrukt dar, dem – man glaubt es die ersten Momente kaum – der Zahn der Zeit nichts anhaben konnte. Sein „Opus magnum“ bedient die Regeln einer Revue (mitsamt diversen Anspielungen u.a. bei den Kostümen), erlaubt sich bisweilen sogar eine parodistische Kommentarebene und punktet im balletttypischen Wechselspiel großer, dynamischer Ensembletableaux mit individuell ausgeprägten, zum Teil langen Soli, Duetten oder spannungsgeladenen Dreiecksformationen. Deren betörende Impulsivität (Walkürenritt), beredtes Gestenspiel (Wotans machtvolles Posieren; Erda), Fulminanz an trotziger Verspieltheit (das Kind Siegfried), geknechtete Verschlagenheit (Alberich), leidenschaftliche Virtuosität (Hass- und Liebesszenen) und niemals plakative, bewegungsnarrative Qualität (Mime, Alberich) für über 20 Handlungsträger haben kein bisschen an Originalität, theatraler Kraft, tänzerischer Herausforderung oder gar Intensität verloren!
Das wohl komplexeste Werk der Ballettgeschichte, von Béjarts Ex-Tänzer/-Ballettmeister Bertrand d’At am Uraufführungsort wieder einstudiert, ist ohne Zweifel einer der herausragenden Beiträge zum Wagner-Jahr. Was aber, wenn Vladimir Malakhov, dem 2004 als Einzigem(!) die Einbindung vom „Ring um den Ring“ ins Repertoire des derzeit glänzend austrainierten Staatsballett Berlin gelang, seinen Chefposten an Nacho Duato übergibt? Schon das Ballet Lausanne büßte seit Béjarts Tod 2007 zu viele Tänzer ein, um die Choreografie rein besetzungstechnisch noch stemmen zu können… Droht dies auch Berlin, werden künftige Generationen das so anspruchsvoll wie kurzweilige Mammutprojekt missen müssen.
