Den ersten Teil, „Das Evangelium nach Maria“ inszeniert die Autorin mit ihrem Theaterkollektiv, dem independent „teatru spalatorie“ selbst in rumänischer Sprache (mit deutschen Untertiteln), wobei man sich schnell in die Originalsprache einhört. In einem schwarzen Raum, den Maike Storf entworfen hat, stehen nur zwei Pulte, beleuchtet wird dieser Raum allein durch eine Reihe von Glühbirnen, die sehr hell werden lassen, aber doch meistens den Raum in einem Halbdunkel lässt. Die Performerinnen Doriana Talmazan und Kira Semionov, die beide gleich in Schwarz gekleidet sind (Kostüme ebenfalls Maike Storf) treten auf und befestigen an ihrem Körper kleine „Sonden“, die die Herztöne hörbar machen, zugleich aber intensive elektronisch verstärkte „Bodypercussion“ ermöglichen, die der Aufführung einen ganz eigenen Sound geben und sie strukturieren. Zwischen den einzelnen „Gleichnissen“, wie die Autorin die einzelnen biographischen Geschichten nennt, welche die Gewalt vorführen, die Frauen angetan wird, entwickelt Talmazan jeweils den Grundsound für die Szene. Zu diesem bewegt sich auch das Licht der Glühlampen nicht nur in Hell- und Dunkeleinstellungen, sondern auch in der Bewegung. Die beiden Performer stehen zumeist an ihrem Pult im bläulichen Schein der Leselampe. Aber gerade in dieser Statik zeigt Talmazan hohe Schauspielkunst.
„Die Apokalypse nach Lilith“ hat ebenfalls Nicoleta Esinencu geschrieben, aber Marie Bues mit dem Performer Niko Eleftheriadis und der Israelin Sivan Ben Yishai führt nun Regie. Der Raum wirkt jetzt hell, in der Mitte steht auf Podien ein Gerüst, das an orientalische Architektur erinnert, nach hinten abgeschlossen durch einen Glitzerstreifenvorhang. Zunächst aber tritt ein Chor auf, die „Liederlust Mettingen“, der „I need a hero“ mehrstimmig vorträgt, bevor Eleftheriadis emotional sich immer stärker in seine Geschichte verstrickt, während Yishai lächelnd aus einer großen Ruhe heraus agiert. Die „Gleichnisse“ sind in diesem Teil Geschichten, die per Video eingespielt werden. Am Ende dann, als beide sich in großen Plastiksäcken bewegen und der Chor auftritt, entwickelt sich eine babylonische Kakaphonie von gewaltiger Sprachkraft und starker visueller Wirkung. Was hier verhandelt wird, ist die Infragestellung der Beziehung von Mann und Frau und schließlich jeglicher Geschlechtszuschreibung. Ein spannender dreistündiger grandioser Abend, der nachdenklich macht.
