Jutta Czurda, die am Fürther Theater in den letzten Jahren beim „Brückenbau“-Projekt mit Amateuren die Generationen zur gemeinsamen Bewegung anstiftete, knüpft mit „Voices“ an den ruhenden Teil ihrer bemerkenswerten Karriere an. Sie hatte einst eine ästhetisch eigenwillige Tanztheater-Truppe gegründet, war bei Intendant Burkhard Mauer in Nürnberg damit untergekommen und ließ sich dann in Fürth erst in der freien Szene und dann bei Werner Müllers Stadttheater nieder. Dort suchte sie als Sängerin (Bayerischer Theaterpreis für einen Brecht-Abend) und Regisseurin neue Wege. Die Konstellation für das jetzige Stück kommt direkt aus diesen Erfahrungen, denn die sechs Tänzerinnen „zwischen 50 und 60“ haben schon vor 30 Jahren mit Czurda gearbeitet und sind nun auch Mit-Choregraphinnen.
Petra Heinl, Anke Rohlfs-Albert, Wübke Rohlfs-Grigull, Inge Utz-Krödel, Iris Voß und Petra Weidig haben scheinbar mühelos wieder zusammengefunden. Mit Seniorentheater hat das nichts zu tun, allenfalls mit den Energiestößen des einstigen Nederlands Dans 3, aber man könnte es durchaus als Makel der Aufführung sehen, dass das Alter nicht spielerisch umgesetzt, sondern bloß mal ironisierend mit ein paar tattrigen Aktionen verscheucht wird. Die Damen sind also gut in Form und wollen es – den Voices, dem Publikum und sich selbst – beweisen. Das gelingt absolut. Auch wenn beim späten „Je t´aime“-Gerangel zwischen stampfender Urkraft und elegischer Melancholie kurz nochmal der Gedanke an die verpasste Satire auftaucht. Jutta Czurda entschied sich für den anderen Weg, indem sie zum Tanz auch den Sound mit zerbrechenden Scherben und tosenden Knalleffekten über dem sanft schwebenden Säuseln der Stimmen in den Dienst suggestiver Empfindungen stellte. Gemütlich wird es nie.
Ein mutiger, ungewöhnlicher Tanztheater-Abend – vom Premierenpublikum mit langem Beifall gefeiert. Die Choreographin Jutta Czurda ist wieder da!
