Fraktionschef und Alphtier Jens liebäugelt eh mit dem Aufsichtsratsposten der City-Center-Gruppe sowie mit der Controlling-Spezialistin Elena, für die dieser ganze Politkleinkram aber nur eine Durchgangsstation ist. Fraktionsfreund Robert geht gerade finanziell vor die Hunde (und braucht darum Jens, für den er einst die Doktorarbeit schrieb); Renate schließlich, Urgestein und „Schildkröte“ (ihr Polit-Spitzname!) hat schon alle, jeden und jede überlebt, der hier was werden wollte. Gisela Hess sieht in dieser Rolle durch Perücke und Hosenanzugsfarbe übrigens zum Staunen gut nach Kanzlerin aus.
Die anderen Funktionsidioten mögen die Zuschauer je nach lokaler Vertrautheit mit anderen „echten“ Volksvertretern identifizieren – die Qualität im Baulitz-Text liegt jedoch in der wirklich feinen Bosheit, mit der er die zutiefst beschränkten, nur am eigenen Interesse orientierten Hinterzimmer-Strategen zeichnet. Kurzfristig werden Koalitionen erahnbar, etwa zwischen Martin und der flotten Elena, die schon mal in Chile war und weiß, dass indianische Lebensbäume Martins Stelen-Idee ziemlich nahe kommen. Und gegen Ende tickt überraschenderweise der total gescheiterte Robert völlig aus und wird zum Outlaw, der den fast schon angepassten Martin rausholt aus dem Polit-Betrieb – und zurück in die fundamentale Opposition gegen alles.
Auch Martin ist ja kein Held; aber vage köchelt in seinem Bewusstsein noch die Erinnerung an graue Vorzeiten, als um jedes Überleben gekämpft werden musste. Das zeigt Stolzenburg zu Beginn ein wenig langwierig – danach entfesseln Axel Strothmann, Peter Weiss und Sebastian Reck, Katarina Schlothauer und Gisela Hess in dieser Inszenierung ein parlamentarisches Pandämonium; wie unter Ureinwohnern. Und nicht nur in Magdeburg.
