Sopranistin Christine Graham markiert das glockenreine Echo zur warmen Kantilene von Mezzo Lucie Ceralova an der Bühnenrampe. Tenor Youn-Seong Shim steht einmal als weiß geschminkter Samurai auf einem Podest im Zuschauerraum oder hockt weiter vorn auf einem ovalen Tisch, schreitet dann auf hohen Kothurnen wie ein Diktator den Massen voran. Bariton Matteo Suk dominiert im berückend schönen Quartett der ersten von sechs Szenen. Saxophon, Schlagzeug und Bass donnern und hauchen Jazz-Improvisationen der Zwischen- und Vorspiele aus dem hinteren Parkett, ergänzt durch eine brillante Tisch-Percussion-Einlage zweier Musiker auf der Bühne. Der Chor schallt aus dem Off der Kulissen, von der dritten Galerie, flankiert die Parkettreihen und bevölkert als bunt kostümiertes Welten-Volk die Bühne. Völlig unaufdringlich wird so das Publikum mit hineingenommen in eine der wohl spannendsten neuen Musiktheaterinszenierungen in Deutschland. „Timeshift“ ist ein Meisterwerk von hoher poetischer Ästhetik.
