Jörg Lichtenstein steht rechts neben einer Puppe am Pult. Beide tragen Mönchskleidung.

Göttliche Komödie

Umberto Eco, Claus J. Frankl: Der Name der Rose

Theater:Bühnen Halle, Premiere:23.10.2026Regie: Christoph Werner

Die Bühnen Halle zeigen „Der Name der Rose“ nach Umberto Eco als Puppentheater. Christoph Werner inszeniert ein doppelbödiges Spiel mit meisterhafter Puppenführung.

„Diese Form des Spiels bereitet Vergnügen.“ Gen Ende enthüllt ein Mönch die Quintessenz von Aristoteles’ „Komödie“-Kapitel. Einer Schrift, die es nicht geben dürfte. Nicht in der Welt des blinden Bibliothekars Jorge. Denn das Lachen stellt für ihn eine Gefahr für die göttliche Ordnung dar. Mit aller Macht will er das Wissen um die Existenz des Textes vernichten – im Zweifel auch mit Mord. Fürs Puppentheater Halle ist Umberto Ecos Kriminalroman gefundenes Fressen für ein doppelbödiges Spiel.

Handlung und Chronologie der Vorlage lässt Regisseur Christoph Werner weitestgehend unberührt, streicht sie nur fürs flotte Spiel zusammen. Auch hier treffen der Mönch William von Baskerville und sein Adlatus Adson von Melk in einer Benediktinerabtei des 14. Jahrhunderts ein. Und müssen den Mordfall rund um das geheimnisvolle Buch lösen. Eigentlich sind sie hier zum theologischen Disput über die Armut der Kirche. Der gerät in den Hintergrund. Die Tiefe des Romans mit seinen vielen theologisch-philosophischen Anspielungen kann man gar nicht auf einer Bühne verhandeln. Aber einige Hinweise auf Ecos Fach der Semiotik – „Du musst die Zeichen lesen, dann eröffnet sich die Welt.“ – und das Ringen um Wahrheit finden sich doch.

Gotische Abstraktion

Darum konzentriert sich die Inszenierung vor allem auf den unterhaltenden Aspekt. Im Saal des ehemaligen Thalia-Theaters und vor fast 250 Zuschauenden situiert, muss das Ensemble anders agieren als im intimeren Figurentheaterraum. Darum ist hier eine auch in der Vertikalen bespielbare Kulisse aufgebaut, eine halbtransparente Bühnenwand mit vielen Fenstern und Türen (Bühne & Kostüme: Angela Baumgart). Geschickt lassen sich mit Projektionen verschiedene Räume der Abtei darauf projizieren. In Umrissen sieht man gotische Architekturen, die das Kirchenschiff, die Bibliothek oder die Schreibstube andeuten (Video: Conny Klar). Ein bisschen zu sehr wurde in dieser Hinsicht animiert, etwa wackelnde Kerzenflammen oder schreibende Mönche wurden eingeblendet. Die umrissartige Gotikabstraktion hätte hier genügt.

Dafür beeindruckt einmal mehr die Puppenspielkunst des Ensembles, auch wenn einige der sechs Figurenführenden auch selbst als Schauspielende in Rollen auftreten. Diese Produktion verzichtet auf die Hallenser Handschrift, das realistische Führen von realistischen Gliederpuppen durch mehrere Menschen. Menschengroße Klappmaulpuppen sind hier das Mittel der Wahl, die mal von einer Person, mal von zweien geführt werden. Weil sie Kutten tragen, braucht es keine Beine und Füße. Die Köpfe sind skurrile Karikaturen, auch auf dieser Ebene findet die Komödie statt. Wortwitz und manch‘ lustige Geste tun ihr Übriges.

Alles ist im Fluss

Die Projektionen der Orte schaffen Überblendungen, alles ist in Bewegung, die Dramaturgie auf Spannung ausgelegt. Das Rätsel löst anschaulich ebenfalls ein kosmologisches Lichtspiel. Schön symbolisch ist die Doublette der Adson-Figur. Als sich der junge Novize in eine unbekannte Frau verliebt, wandert die Puppe von einem sie führenden Mönch zu einer Spielerin. So verschmelzen beide in ihrer Liebe. Als er sich schlussendlich fürs Zölibat entscheidet, übergibt die Spielerin ihn wieder. Das ist die anrührendste Szene, wenn sie Adlon für den Glauben freigibt. Einmal tiefe Berührung in einem sonst unterhaltsamen und handwerklich gut gestalteten Abend.

Das Ensemble steht in einem hohen, kalt aussehenden Kirchenraum.

Das Ensemble im gotisch anmutenden Kirchenraum. Foto: Anna Kolata