Die Sprache bleibt durchgängig sehr authentisch in den Texten, aus denen Millners Team das Stück entwickelt hat, als Gemisch aus Verzweiflung im Niedergang und Energie beim Aufbruch in die neue West-Welt repräsentiert das Material die Geister der Zeit: besonders nachdrücklich in einer kleinen Unterrichtsstunde über die Kunst des Klinkenputzens als Vertreter und Verkäufer und gegen Ende im Rückzugsmonolog einer in die Arbeitslosigkeit entlassenen SKET-Mitarbeiterin, die nun den eigenen Garten als feste Burg zum Rückzugs- und Überlebensraum erklärt. Aber ob sich die Betroffenen und Getroffenen nun der Verzweiflung überlassen oder das neue Leben wirklich erobern wollen um jeden Preis: Alle sind sie gezeichnet von der Katastrophe. Sie waren in Lebensgefahr.
„Tod der Treuhand“ ist als Stücktitel bewusst mehrdeutig – denn wer stirbt hier wirklich? Und als hätte sich die Texte-Sammlerin als Regisseurin ein wenig gesorgt um allzu tragische Wirkungen dieses Recherchematerials, beschwört sie für die Inszenierung eine ziemlich verstörende Bilderwelt – jeder und jede kommt hier als Wasserwesen daher. Die eher Unbeweglichen müssen wie Seehunde auf Flossen durch das Wasserbecken robben, das die Bühne von Maylin Habig dominiert vor einer zweigeschossigen Wand, die Verwaltungsbau oder Schleuse sein könnte. Und auch der Abwicklungsbeauftragte im Anzug hat gegen Ende lange zu kämpfen mit der Flut, die er ja selbst mit herauf beschworen hat. Unter und über Wasser sind sie alle.
Die recherchierten Geschichten und die Bilder bleiben auf diese Weise immer im Kontrast – vielleicht auch als Zeichen, dass einfache Wahrheit nicht zu finden ist in dieser dramatischen Geschichte. SKET war einst Magdeburgs wichtigster Arbeitgeber und trug bei zur lokalen Identität. Mit etwa einem Drittel an Arbeitsplätzen sind die Nachfolger mit dem alten SKET-Schriftzug mittlerweile wieder wichtig für den Arbeitsmarkt der Stadt. Immerhin.
Das Theater schickt uns auf die Spur.
