Anne Lenk macht es keinem leicht, aber enorm spannend, gegen das leidenschaftliche Spielen die sperrig gestrenge Inszenierung zu setzen. Wie Dovey verweigert sie eine verlässliche Erzählinstanz. Wir Zuschauer müssen aus den Widersprüchen in dem Mosaik monologischer Textblöcke eine Wahrheit herauscollagieren. Gegenüber der Vorlage verschiebt die Regisseurin zudem den Fokus durch ihre (mit dem Dramaturgen Hilko Eilts erstellte) Fassung. Nicht so sehr die Schuldfrage interessiert sie, sondern inwieweit das Begehren anderer Körper und das Begehren der Macht korrelieren. Die vom Stückpersonal geschilderten Sexpraktiken sind eine ideale Vorlage fürs psychologische Analysieren. Machtstreben und -erhalt scheinen jede lustvolle Erfahrung eines Miteinanders unmöglich zu machen. Macht macht einfach keinen Spaß. Die Inszenierung auch nicht. Sie überzeugt – nachhaltig.
