Die Einsamkeit des Langstreckenzuschauers: Zwischenzeitlich fühlt man sich immer wieder verloren, wenn das Bühnengeschehen auseinanderfällt. Obwohl die zwischen Bunker-, Lager- und Frontatmosphäre angelegte Bühne geschickt schnelle Ortswechsel ermöglicht, schleichen sich schleppende Momente ein. Das liegt vorrangig am Stück selbst, das vor allem durch seine vulgär-verdrehte Sprache und auf die Spitze getriebenen Absurdität punktet. Da die Schauspieler jedoch mit Funkmikros über Lautsprecher zu hören sind, geht einiges an Sprechtheaterkraft unter. Das macht insbesondere die stilleren Szenen zäh, weil sie der große Bühnenraum zerdrückt und die Effekte des Spektakels nicht eingesetzt werden können. Wo diese allerdings zu sehen sind, wird die Inszenierung zum Genuss überschießenden Irrwitzes.
Setzte Jarry in der Uraufführung 1896 auf ungewöhnliche Theaterästhetik und den Bruch des Konventionellen, so folgt dem Schönecker klugerweise nicht. Jarry etwa reduzierte Massenszenen auf einzelne Personen, während gerade diese in Jena zu den überzeugendsten Momenten werden. Wenn sich unzählige Schauspieler und Statisten ins Schlachtgetümmel stürzen, entstehen herrlich grelle Wimmelbilder zwischen explodierendem Puffs und Pengs sowie Blut spritzenden Konfettikanonen. Besonders hübsch ist eine Parade-Parodie anzusehen: Um den König zu grüßen marschiert Militär in verschiedenen Formationen aus und gerät mit Anleihen an den Bewegungschor zum grotesken Großformat aus rund 40 Akteuren. Starke Musik- und Gesangseinlagen – Elton Johns „Candle in the Wind“ zum Königin-Tod, „War Pigs“ von Black Sabbath während der Schlacht – wetzen einiges an zähfließender Dramaturgie wieder aus. Sie retten den Thronräuber-Tingeltangel zum gefälligen Sommertheater, dessen klaffende Wunde aber das verschenkte Potenzial bleibt.
