Decars Hauptfigur ist allerdings keine Parsifal, sondern die Inkarnation des flexiblen und affirmativen Menschen. Die Beschwerde darüber, dass Freund Oliver seinen Job übernimmt, wird zum grotesken Veitstanz der Konfliktvermeidung („Ich beschwere mich ja prinzipiell nie“), die der Firmenchef durch schlichte Selbstbezichtigung unterläuft. Keine Figur weiß mehr, bei welcher Firma sie beschäftigt ist, weil die Eigentümer im Höchsttempo wechseln; Aufenthaltsorte wechseln wie die Schauplätzen im Film, mit denen sie immer wieder kurzgeschlossen werden. In der Uraufführung ist diese geographische Austauschbarkeit allerdings nur noch ein Bezeichnungsproblem. Und wenn es wild wird, spielt die Regie einen Charleston ein und lässt die Figuren mit Papphütchen herumfeixen. Der Abend verkommt schließlich je länger je mehr, zu einer Requisitenschlacht mit zweidimensionalen Handtaschen, Hanteln, Cocktailgläsern und zielt damit an der Vorlage komplett vorbei. Und auch die Titelfigur, die bei Decars Stück als Zauberin, als Fee Karlo Kollmar begleitet, ihn vom Selbstmord abhält und ihn am Ende als „Engel des Todes“ (so der Untertitel des Stücks) ins All mitnimmt, diese Jenny Janowitz kommt bei Bea Brocks kaum über ein naiv-kokettes Wesen hinaus. Das Dilemma der Inszenierung ist, dass sie die Farce nicht aus dem Stück und seinem Personal entwickelt, sondern durch Requisiten oder szenische Gags noch zu überbieten versucht – und dabei kaum mehr als abgestandene Witzeleien zustande bringt. Das Stück ist eine zweite Deutung wert.
