Dabei ist interessant, wie man mehrfach ins Geschehen hineingezogen und im nächsten Augenblick wieder heraus geworfen wird. Nicht nur wegen der harten Schnitte, sondern weil das Spiel auf der Bühne zwischen Naturalismus – man spielt in Tracht und zeitgemäßer Kleidung –, Melodram, TV-Soap und extremer Überzeichnung changiert. Das könnte in letzter Konsequenz unheimlich spannend wirken, erscheint aber unterprobt und ungewollt uneinheitlich.
Besonders stark und sich ihrer Rolle sehr bewusst spielen Julia Ribbeck und Marco Wittorf das zentrale, unglückliche Liebespaar. Wunderbar auch Christian Lex, dessen Geschäftsmann in Gestus und Duktus an den antiteater-Mitbegründer Kurt Raab erinnert, doch den spontanen Szenenapplaus erntet die von Barbara Bauer überdümmlich gezeichnete Magd. Der Regisseur hat das ursprünglich dreieinhalbstündige Stück gerafft und versucht, einzelne Figuren stärker zu gestalten, ihnen mehr Humor abzugewinnen. Das letzte Wort hat nach Gerlindes Beerdigung nicht der inzwischen erfolgreiche, aber jeder Illusion beraubte Großunternehmer Georg, sondern der ans Publikum gerichtete Schauspielerchor mit „Adé zur guten Nacht“.
Nußbaumeder bezieht sich mehrmals augenzwinkernd auf Fassbinder, dessen Neuinterpretationen des Volksstücks oft mehr als ein Stachel im Fleisch der Gemütlichkeit waren, sondern eher der Bohrer eines Zahnarztes, der zwar den Karies entfernt, dann aber doch tief und genüsslich im Zahnfleisch wühlt. Daran muss sich jede neue Lesart des Volksstücks messen – weder Nußbaumeders Vorlage noch Schnellers Interpretation können die Latte reißen. In Eggenfelden wurde darunter durchgetaucht.
