Diese brachialkomische Feier vergeblicher Versteck-/Verkleidungsspiele schwappt auch in den Orchestergraben und legt sich opernparodistisch dem Gesangsensemble auf die Stimmbänder. Mit Gospel-getränktem Soul-Timbre wird intoniert, als flatterhafter Schlagerfuzzi gesungen, mit Jazz-Balladen-Schick arrangiert, Arioses im Falsett vorgetragen und Text mit Dialekt, Niesen oder Quaken gefüttert. Der Chor schmatzt den Rhythmus, sprengt die Partitur schreiend und arbeitet sich gern mal gekonnt abseits des Schönklangs an den Melodielinien ab. Titus Engel spielt mit dem Orchester, lässt es mal kakophonisch lodern, durch die Takte eiern, treibt Rasanz zur Raserei, erlaubt auch einem Banditen, AC/DCs „Highway to hell“ zu skandieren und dazu orchestralen Free Jazz zu dirigieren.
Eine Botschaft? Nein, so autoritär kommt Fritsch uns nicht. Er spendiert eine Lebenshaltung statt einer Werkinterpretation. Die Künstler wollen nicht aufklären, Sinn stiften – die wollen nur spielen. Ohne Theater wären alle nichts. Und verlassen die Bühne daher auch nicht, tröten zur Applaus-Polonaise immer weiter einen Offenbach-Ohrwurm auf Kazoos – der von den Zuschauern mit ansteckendem Pfeifen in die Welt hinausgenommen wird, der solch ein Lockerungsseminar des Anarcho-Trainers Fritsch noch fehlt.
