Dieser Großschurke der Dramenliteratur ist eine Spitzenrolle für Schauspielerkarrieren, benötigt einen herausragenden Darsteller. Die BSC hat nur einen ordentlichen. Was aber inhaltlich passt. Michael Meyer dimmt den Showmaster heimtückischer Schlachterei im Konversationston herunter. Selbst in Monstermomenten rasender Mordlust ist Richard immer ein Metzger zum Knuddeln. Ein netter Dandy, der nur staunend beiläufig und spiellustig ausnutzt, was sich ihm an Aufstiegschancen bietet. Achselzuckend amüsiert beschränkt er sich auf den schlichten Charme des rhetorisch wendigen Taktikers. Trotzdem verfallen ihm die Frauen, die halt die Erotik der Macht lieben. Und einen modernen Narziss. Der einsam losgelöst von allen Ordnungen nur sich verehrt – und daher die Welt reinigen muss von allem, was nicht er, nicht „Ich“ ist.
Ohne Ströme von Kunstblut und Aktualität behauptenden Videozuspielungen sind die Mechanismen der auf ihren Vorteil bedachten Machtpolitiker und Finanzhaie von heute kenntlich, auch wenn ihre Methoden in den letzten 500 Jahren verfeinert wurden. Die Kostüme verdeutlichen den Rundumschlag vom adrett elisabethanischen bis zum öden Schlips-und-Anzug-Stil. Inszenatorisch präzise gearbeitet und apart im Raum arrangiert wurde das Stück und dabei auf die gefürchtete BSC-Witzigkeit der Wir-sind-Volkstheater-Idee verzichtet – mal abgesehen von der Publikumsanimation mit dem Kanon auf „Der Hahn ist tot“. Besonders eindrucksvoll gelungen, wie Nebelschwaden malerisch über der Szenerie hängen, idyllisch durch sie hindurchgleiten und traumschön verwirbeln. Als wäre es ein Katrin-Brack-Bühnenbild. Also alles prima? Das kleine Ensemble über- und unterspielt mal wieder die große Rollenvielfalt, mangels durchgängig intensiven Spiels schleppt sich der Abend zu häufig nur so dahin. Kein großer Wurf. Aber die BSC behauptet den über Jahre mühsam erkämpften Status: unteres Stadttheaterniveau. Alles wie es war – aber attraktiver im renoviertem Ambiente.
